Ein Pestizid, das in der EU bislang nicht regulär genehmigt ist, soll in Deutschland im großen Stil auf den Acker: Für das BASF-Produkt „Luxinum“ mit dem Wirkstoff Cinmethylin wurde eine Notfallzulassung erteilt. Nach Angaben des Umweltinstituts München dürfen diesen Herbst und Winter bis zu 266.800 Liter verkauft und auf bis zu 400.000 Hektar Winterweizen eingesetzt werden. Der Verband hat Widerspruch eingelegt.
Das wären rund 14 Prozent der deutschen Winterweizenfläche. Bis zu 200 Tonnen Cinmethylin sollen gegen den Ackerfuchsschwanz ausgebracht werden, ein Unkraut, das in vielen Regionen wegen Resistenzen gegen andere Herbizide zum Problem geworden ist. BASF bewirbt den Wirkstoff als neuen Wirkmechanismus für den Wintergetreideanbau.
Das Umweltinstitut hält die Ausnahme für hochproblematisch. Es verweist auf die EFSA-Bewertung und auf mögliche Risiken für Wildtiere, Gewässer und die Trinkwassergewinnung. Besonders schwer wiegt nach Darstellung des Instituts der Verdacht, Cinmethylin könne das Hormonsystem schädigen. Gerade für Wirkstoffe mit solchen Eigenschaften sieht das europäische Pestizidrecht grundsätzlich strenge Ausschlusskriterien vor.
Die Notfallzulassung soll dennoch eine großflächige Anwendung ermöglichen. Solche Genehmigungen sind nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für eine begrenzte und kontrollierte Verwendung von höchstens 120 Tagen gedacht, wenn eine Gefahr für Kulturpflanzen anders nicht abzuwehren sei. Das BVL erklärt zugleich, die menschliche Gesundheit dürfe auch bei Notfallzulassungen nicht gefährdet werden; Umweltgefahren sollten durch Auflagen minimiert werden.
Bis zu 200 Tonnen eines nicht regulär genehmigten Wirkstoffs auf 400.000 Hektar: Das Umweltinstitut sieht darin eine mögliche vorgezogene Markteinführung und hat Widerspruch eingelegt.
F-NEWS berichtete bereits über Studienhinweise zu einem erhöhten Krebsrisiko durch Pestizid-Cocktails. Eine Notfallzulassung beantwortet nicht die offenen Fragen zu möglichen Langzeit- und Kombinationsrisiken. Auch bei der neuen Gentechnik und der fehlenden Transparenz für Verbraucher geht es um dasselbe Muster: Schutzregeln werden gelockert, während die Folgen bei Umwelt und Verbrauchern landen.








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