Das Smartphone ist längst mehr als ein Telefon. Für viele Kinder ist es Spielzeug, Unterhalter, Beruhigungsmittel und ständiger Begleiter in einem. Im Gespräch mit Hedwig von Beverfoerde von DemoFürAlle nennt Lehrer und Publizist Michael Hageböck das Gerät deshalb einen „digitalen Schnuller“. Seine Forderung ist deutlich: Eltern müssen die Kontrolle über den Familienalltag zurückgewinnen.
Hageböck beschreibt, wie Smartphones und soziale Netzwerke das Lernen, Lesen und Kommunizieren verändern. Kinder und Jugendliche würden fortlaufend mit neuen Reizen versorgt. Das erschwere längere Konzentration, störe den Schlaf und könne in eine digitale Abhängigkeit führen. Besonders problematisch sei, dass Plattformen und ihre Algorithmen nicht auf Ruhe oder Maßhalten ausgelegt seien, sondern auf möglichst lange Nutzung.
Der Lehrer richtet den Blick dabei nicht nur auf Schulen, Politik oder Digitalkonzerne. Eltern seien selbst Vorbilder. Wer beim Essen, im Gespräch oder bei jeder freien Minute auf das Display schaut, könne vom Nachwuchs kaum einen anderen Umgang erwarten. Das Smartphone einfach auszuhändigen, damit ein Kind still ist, löse kurzfristig ein Problem – und könne langfristig neue schaffen.
Im Familienalltag empfiehlt Hageböck klare Grenzen und feste Zeiten ohne Bildschirm. Mahlzeiten, Gespräche und gemeinsame Unternehmungen sollten nicht ständig von Nachrichten, Videos und Spielen unterbrochen werden. Entscheidend sei nicht eine komplizierte technische Kontrolle, sondern eine erkennbare Regel: Das Gerät bestimmt nicht den Tagesablauf.
Die Warnung fällt in eine breitere Debatte. F-NEWS berichtete bereits darüber, dass eine Expertenkommission Risiken für Kinder benennt und dennoch mehr Digitalisierung empfiehlt. Auch der Streit über Tablets im Unterricht wächst. In Bayern wehren sich Eltern mit einer Petition gegen den iPad-Zwang an Schulen.
Das Interview stellt deshalb eine einfache Frage ins Zentrum: Was gewinnen Kinder zurück, wenn das Smartphone nicht mehr jede Pause, jedes Gespräch und jeden langweiligen Moment füllt? Hageböcks Antwort lautet sinngemäß: Aufmerksamkeit, echte Begegnungen, Selbstkontrolle und die Fähigkeit, sich wieder aus eigener Kraft mit der Welt zu beschäftigen.
Das vollständige Gespräch:






