Der Machtkampf in der AfD erreicht die nächste Eskalationsstufe. Nach einem Bericht der BILD will die Parteiführung um Alice Weidel mehrere prominente Funktionäre aus Nordrhein-Westfalen mit parteiinternen Ordnungsmaßnahmen belegen. Betroffen wären Politiker aus beiden Lagern des seit Wochen tobenden Streits.
Auf der Liste stehen dem Bericht zufolge Kay Gottschalk, bis Anfang Juli stellvertretender Bundesvorsitzender, und sein Nachfolger Sven Tritschler. Gerade Tritschlers Name fällt auf: Der 44-Jährige gilt als enger Vertrauter Weidels und wurde von ihr beim Bundesparteitag persönlich für das Amt des ersten stellvertretenden Bundessprechers vorgeschlagen. Er setzte sich dort nur knapp gegen Gottschalk durch.
Ebenfalls belangt werden sollen laut BILD der neu gewählte Beisitzer im Bundesvorstand Maximilian Kneller sowie die NRW-Landtagsabgeordneten Christian Loose und Christian Blex, der zugleich Schatzmeister des Landesverbandes ist. Welche konkreten Sanktionen gegen die fünf Politiker beantragt werden sollen, ist bislang nicht öffentlich belegt. Parteirechtliche Ordnungsmaßnahmen können je nach Schwere von einer Verwarnung bis zum Entzug von Parteiämtern reichen.
Der Bundesvorstand selbst hatte am 20. Juli offiziell lediglich mitgeteilt, Beweismaterial aus den Vorgängen in Nordrhein-Westfalen sichern und durch ein Gremium prüfen zu lassen. Genannt wurden mögliche Verstöße wie Drohungen, öffentliche Anfeindungen, „hooliganartiges Auftreten“ und das Anheizen der Versammlung gegen Parteimitglieder oder Gremien. Namen nannte die Parteiführung dabei nicht. Auch eine spätere unabhängige Bestätigung der nun von BILD genannten fünf Betroffenen liegt bislang nicht vor.
Hintergrund ist die chaotische Aufstellung der AfD-Landesliste für die nordrhein-westfälische Landtagswahl 2027. Der Bundesvorstand hatte den Landesverband zum Abbruch der Versammlung aufgefordert und die Rechtmäßigkeit des Verfahrens infrage gestellt. Der Landesverband unter Martin Vincentz widersetzte sich. F-NEWS berichtete über den Eingriff der Bundesspitze in die Listenwahl und darüber, wie das Vincentz-Lager die Wahl trotz des Drucks aus Berlin fortsetzte.
Im Zentrum des Konflikts stehen zwei verfeindete Lager. Auf der einen Seite befindet sich Landeschef Vincentz mit Gottschalk, Loose und Blex. Auf der anderen Seite stehen Kräfte um Matthias Helferich, Tritschler und Kneller. Gottschalk hatte Weidel zuvor selbst aufgefordert, Tritschler und Kneller zum Rücktritt aus dem Bundesvorstand zu bewegen. Er warf beiden vor, den Konflikt im Landesverband verschärft und die Listenaufstellung behindert zu haben.
Wenn der Bundesvorstand nun tatsächlich gegen Vertreter beider Seiten vorgeht, wäre das mehr als eine einfache Abrechnung mit Weidels Gegnern. Es wäre der Versuch, einen außer Kontrolle geratenen Landesverband gleichzeitig von oben zu disziplinieren und die eigenen Vertrauten einzufangen. Für die AfD kommt der offene Machtkampf zur Unzeit: Statt ihre politischen Gegner unter Druck zu setzen, beschäftigt sich die Partei mit Strafverfahren gegen das eigene Führungspersonal.






