Die AfD Nordrhein-Westfalen hat ihre Landesliste für die Landtagswahl 2027 abgeschlossen. Nach tagelangem Streit, Blockadevorwürfen und einer Abbruchforderung der Bundesspitze stehen nun 82 Kandidaten fest. Für den Augenblick hat sich damit das Lager um Landeschef Martin Vincentz durchgesetzt.
Noch am Donnerstag hatten die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla den Landesvorstand aufgefordert, die Versammlung abzubrechen. Sie sahen erhebliche rechtliche Risiken für die Liste. Wie F-News berichtete, lehnte Vincentz diese Forderung ab und ließ am Freitag weiterwählen.
Vincentz zieht die Wahl durch
Eine deutliche Mehrheit der Delegierten stimmte für die Fortsetzung. Danach ging es schnell: Nach Angaben des Landesverbandes wurden insgesamt 82 Kandidaten gewählt. Vincentz steht als Spitzenkandidat auf Platz eins. Hinter ihm folgen Enxhi Seli-Zacharias, Christian Loose, Sven Tritschler und Christian Blex.
Der Landeschef erklärte anschließend, die Liste sei rechtssicher. Auch Versammlungsleiter Julian Flak betonte, die Vertreter seien ordnungsgemäß von den Parteimitgliedern gewählt worden. Damit stellt sich die Landesführung offen gegen die Bedenken aus Berlin.
Vincentz räumte den Konflikt in seiner Abschlussrede ungewöhnlich deutlich ein. Der Bundesvorstand habe Informationen über mögliche Rechtsmängel erhalten und ihn deshalb zum Abbruch aufgefordert. Nach Prüfung mit mehreren Juristen sei er jedoch zu dem Schluss gekommen, dass gerade ein Abbruch und eine komplette Neuwahl das größere Anfechtungsrisiko dargestellt hätten.
Machtkampf vorerst entschieden
Hinter dem Streit über Wahlverfahren und Formalien steckt ein handfester Machtkampf. Auf der einen Seite steht das Lager um Vincentz, auf der anderen seine innerparteilichen Gegner um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Diese hatten die Wahlgänge am vergangenen Wochenende nach Darstellung der Landesführung mit einer Flut aussichtsloser Kandidaturen massiv verzögert.
Mit dem Abschluss der Liste hat Vincentz Tatsachen geschaffen. Sein Lager besetzt den Spitzenplatz und einen großen Teil der aussichtsreichen Positionen. Die Gegner konnten die Wahl weder stoppen noch eine komplette Neuaufstellung erzwingen. Der offene Widerstand gegen die Bundesspitze dürfte das Verhältnis zu Berlin allerdings weiter belasten.
Ob der Sieg Bestand hat, entscheidet sich möglicherweise nicht allein innerhalb der Partei. Sollten Wahlleiter oder Gerichte tatsächlich Rechtsfehler feststellen, könnte der Streit erneut aufbrechen. Im Augenblick aber gilt: Vincentz hat sich durchgesetzt, die Liste steht und der Landesverband will zum Wahlkampf übergehen.
Die 82 Kandidaten der AfD NRW
- Dr. Martin Vincentz
- Enxhi Seli-Zacharias
- Christian Loose
- Sven Tritschler
- Dr. Christian Blex
- Markus Wagner
- Sascha Menkhaus
- Thomas Röckemann
- Andreas Keith
- Alexander Schary
- Daniel Seinsche
- Sven Elbers
- Klaus Esser
- Andrea Pousset
- Jürgen Spenrath
- Pierre Jung
- Volker Stolz
- Sebastian Schulze
- Uwe Detert
- Marion Baumgart
- Dominic Fiedler
- Andreas Klöcker
- Julian Hermneuwöhner
- Dr. Hartmut Beucker
- Nadine Heuser
- Lucas Baumert
- Ina Welzenbach
- Jan-Hendrik Schulz
- Kevin Burmeister
- Stephan Grubendorfer
- Susanne Zimmer
- Guido Reil
- Michael Eiche
- Denise Gehrmann
- Christoph Kukulies
- Klaus Henning Gahr
- Thomas Mayer-Steudte
- Alexander Pateck
- Jeremy Jason
- Dietrich Wiens
- Klaus Lange
- Maik Klaus
- Steffen Christ
- Marion Bergk
- Sebastian Landwehr
- Marlon Buchholz
- Lars Vietze
- Marcus Mellerke
- Jörg Feller
- Bodo Gilz
- Tobias Schmitz
- Matthias Renkel
- Frank Wübbeling
- Alexander Lex
- Sebastian Walgenbach
- Michael Immel
- Rüdiger Voigt
- Sebastian Südekum
- Dietmar Rekowski
- René Bosse
- Wolfgang Paul
- Ralf Neunteufel
- Udo Fischer
- Sascha Ulbrich
- Jakob Baidin
- Dr. Matthias Käding
- Andreas Meitzke
- Mario Liedke
- Dr. Dominik Burghardt
- Pascal Gasch
- Dennis Dinter
- Serge Menga
- Henning Dornauf
- Wiebke Herrmann
- Dr. Uwe Höller
- Thomas Staubach
- Gerhard Hildebrandt
- Igor Tabakman
- Vladimir Klein
- Ulrich Lehmann
- Dietmar Vocke
- Friedbert Raulf
Quelle der Kandidatenliste und der wiedergegebenen Aussagen: Pressestelle der AfD Nordrhein-Westfalen.



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