Machtkampf in der AfD NRW: Bundesspitze fordert Abbruch der Listenwahl

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Symbolbild: Eine in der Mitte zerrissene AfD-Fahne
Symbolbild, KI-generierte redaktionelle Illustration

In der nordrhein-westfälischen AfD ist der Streit über die Landesliste für die Landtagswahl 2027 eskaliert. Die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla haben den Landesverband aufgefordert, die laufende Vertreterversammlung in Marl abzubrechen und die Kandidatenaufstellung neu zu beginnen. Das berichten unter anderem Tagesschau, WDR und Zeit Online.

Im Landesverband stehen sich seit längerem zwei Lager gegenüber. Auf der einen Seite befindet sich der im März erneut gewählte Landesvorsitzende Martin Vincentz mit seinen Unterstützern. Auf der anderen Seite stehen Kräfte um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich und den inzwischen in den Bundesvorstand gewählten Sven Tritschler. Medien beschreiben Vincentz als vergleichsweise gemäßigt und das gegnerische Lager als „patriotisch“ beziehungsweise weiter rechts stehend.

Bei der Listenaufstellung wurden zunächst 21 Plätze vergeben. Nach Darstellung des WDR gingen diese fast ausschließlich an Bewerber aus dem Umfeld von Vincentz. Die Plätze gelten angesichts der Umfragewerte der AfD in Nordrhein-Westfalen als aussichtsreich. Als anschließend Listenplatz 22 aufgerufen wurde, nominierte das gegnerische Lager nahezu 100 Kandidaten. Dadurch verzögerte sich die Versammlung erheblich; die Aufstellung soll an diesem Freitag fortgesetzt werden.

Rund um die Veranstaltung wurden mehrere Vorwürfe erhoben. Helferich erklärte, ein Parteikollege habe ihn vom Stuhl gestoßen. Außerdem ist von Beleidigungen, Bedrohungen, erheblichem Druck auf Delegierte und gegenseitigen Strafanzeigen die Rede. Ob und in welchem Umfang diese Darstellungen zutreffen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Die Bundesspitze sieht nach den veröffentlichten Auszügen aus ihrem Schreiben erhebliche Anhaltspunkte für mögliche Verstöße gegen Wahlgrundsätze.

Weidel und Chrupalla warnen demnach vor rechtlichen Risiken für die gesamte Landesliste. Als Negativbeispiel nennen sie Bremen: Dort war die AfD 2023 wegen konkurrierender Wahlvorschläge nicht zur Bürgerschaftswahl zugelassen worden. Ein vergleichbares Ergebnis solle im mitgliederstärksten Landesverband verhindert werden. Der Landesvorstand in NRW will die Versammlung nach den bisherigen Berichten dennoch zunächst fortsetzen.

Auch das Verhältnis zwischen Vincentz und Weidel ist Teil des Konflikts. Vincentz warf der Bundesvorsitzenden laut Medienberichten vor, hinter der Blockadeaktion zu stehen, und sprach im Zusammenhang mit dem Vorgehen seiner Gegner von „Antifa-Auswüchsen“. Ein Vermittlungsversuch durch Vertreter der Bundespartei blieb demnach ohne Ergebnis. Zugleich wird berichtet, dass sich der Konflikt in NRW mit Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern der beiden Bundesvorsitzenden überschneidet.

Der NRW-Landesverband hatte Vincentz am 7. März 2026 zum dritten Mal zum Vorsitzenden gewählt. Nach eigener Darstellung der AfD NRW sollte die neue Führung den Verband geschlossen in die Landtagswahl 2027 führen. Die Auseinandersetzung um die Liste entscheidet nun darüber, welche innerparteilichen Gruppen im kommenden Landtag vertreten sein könnten.

F-News-Kommentar: Bislang hat keine innerparteiliche Affäre den Höhenflug der AfD dauerhaft gestoppt. In Thüringen, wo die Partei 2024 bereits stärkste Kraft wurde, liegt sie aktuell bei rund 40 Prozent. In Sachsen-Anhalt werden derzeit etwa 41 Prozent gemessen. Die Landtagswahl dort am 6. September 2026 wird deshalb auf jeden Fall Signalwirkung haben: Sie zeigt, ob Skandale und Machtkämpfe den Wähler überhaupt noch erreichen oder ob der Protest gegen die etablierte Politik inzwischen alles überlagert.

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