Deutschlands zivile Industrie kämpft mit Stellenabbau, Werksschließungen und schwacher Nachfrage. Bei Rheinmetall herrscht dagegen Hochkonjunktur: Der Konzern meldet für das erste Halbjahr 2026 Rekordzuwächse bei Umsatz und Gewinn. Die Kriegswirtschaft boomt.
Nach dem am Donnerstag veröffentlichten Halbjahresbericht von Rheinmetall stieg der Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 39 Prozent auf 5,227 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sprang von 453 auf 786 Millionen Euro. Das ist ein Zuwachs von 74 Prozent. Die operative Marge erhöhte sich von 12,1 auf 15 Prozent.
Allein im zweiten Quartal legte das operative Ergebnis um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu. Der rechnerische Gewinn je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten stieg im ersten Halbjahr von 4,69 auf 8,43 Euro. Während viele deutsche Unternehmen um jeden Auftrag kämpfen, kann Rheinmetall aus einem gewaltigen Bestellpolster schöpfen: Der sogenannte Backlog erreichte zum 30. Juni 80,5 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 56 Milliarden Euro.
Besonders kräftig wächst das Geschäft mit Waffen und Munition. Der Umsatz dieses Bereichs erhöhte sich um 33 Prozent auf 1,757 Milliarden Euro, das operative Ergebnis von 280 auf 417 Millionen Euro. Rheinmetall nennt als Umsatztreiber unter anderem ein Munitionspaket für Ungarn sowie Artillerie- und Mittelkalibermunition für die Ukraine. Die Sparte Luftverteidigung steigerte ihren Umsatz sogar um 62 Prozent auf 478 Millionen Euro. Ihr neu gewonnenes Geschäftsvolumen wuchs um 517 Prozent.
Auch Panzer und Militärfahrzeuge laufen glänzend. Vehicle Systems setzte 2,431 Milliarden Euro um, 28 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu den großen Bestellungen gehören 200 weitere Schützenpanzer Puma für Deutschland und 298 Lynx für Rumänien. F-NEWS hatte bereits über den nächsten Großauftrag für Skynex-Flugabwehrsysteme und die Bestellung von 2.000 weiteren Militärlastwagen durch die Bundeswehr berichtet.
Vorstandschef Armin Papperger spricht von „Rekordwachstum“ und einer bemerkenswert hohen Book-to-Bill-Ratio von mehr als drei. Der Konzern profitiert nach eigener Darstellung von gestiegenen Verteidigungsbudgets in zahlreichen Ländern, erweitert seine Werke und baut neue Kapazitäten auf. Für 2026 erwartet Rheinmetall nun 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge von rund 19 Prozent.
Die Prognose fällt wegen der Stornierung des Fregattenprogramms F126 um bis zu 300 Millionen Euro niedriger aus. Einen Einbruch bedeutet das nicht. Rheinmetall rechnet weiterhin mit einem organischen Umsatzwachstum von 28 bis 31 Prozent. Auffällig ist allerdings der operative freie Cashflow: Er sank auf minus 1,616 Milliarden Euro. Der Konzern begründet das mit verschobenen Anzahlungen, höheren Forderungen, dem Aufbau von Vorräten und hohen Investitionen.
Der Boom fällt nicht vom Himmel. Er wird von massiv steigenden staatlichen Rüstungsausgaben, europäischen Finanzierungsprogrammen und dem Krieg in der Ukraine getragen. Die Aufträge bezahlen Staaten und damit die Steuerzahler. Der wirtschaftliche Widerspruch wird immer greller: Autowerke bauen Personal ab, Zulieferer geraten in die Insolvenz, doch Panzer, Munition und Flugabwehr liefern Rekordmargen. Deutschland findet Wachstum wieder – ausgerechnet am Fließband für den nächsten Krieg.







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