Immer schön ablenken: EZB-Blog warnt vor KI-Blase

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Die Europäische Zentralbank warnt vor einer möglichen KI-Blase. In einem Blogbeitrag der EZB vergleichen fünf ihrer Ökonomen die derzeitigen Tech-Bewertungen mit der Dotcom-Ära. Die Börsen hätten den KI-Boom in eine rasante Rally getrieben. Eine Korrektur der heutigen Bewertungen sei wahrscheinlich, schreiben sie.

Die Autoren verweisen auf die hohen Bewertungen der großen US-Techwerte. Der CAPE-Wert des US-Markts liege nahe seinem historischen Höchststand. Auch europäische Aktien hätten zugelegt, wenn auch weniger stark. Ob die Preise Ausdruck einer vernünftigen Wette auf eine neue Technologie oder eine neue Dotcom-Blase seien, lasse sich im Voraus nicht entscheiden. Eine spätere Korrektur erwarten die Ökonomen dennoch in beiden Fällen.

Besonders heikel sei die Verflechtung europäischer Anleger mit den amerikanischen Techriesen. Haushalte im Euroraum hielten laut EZB über Fonds und ETFs rund 440 Milliarden Euro an Engagements in US-Technologieaktien. Kommt es zu einem starken Einbruch, könnten Rückgaben bei Fonds weitere Verkäufe auslösen. Die EZB nennt deshalb nicht nur Verluste einzelner Anleger, sondern Risiken für die Finanzstabilität.

Die Warnung kommt mit einer auffälligen Einschränkung. Der Beitrag trägt ausdrücklich den Hinweis, dass die darin vertretenen Ansichten nicht zwingend die Position der EZB oder des Eurosystems widerspiegeln. Die Autoren sehen im Euroraum selbst zwar weniger Übertreibung als in den USA. Sie räumen aber ein, dass die Aktienmärkte beider Seiten des Atlantiks historisch stark miteinander verbunden sind. Ein US-Crash würde Europa also treffen.

Immer schön ein neues Risiko aufrufen: KI, Techwerte, Anleger. Die Zentralbank hält damit den Blick auf die nächste mögliche Blase gerichtet, während die Folgen der eigenen Geld- und Zinspolitik für Bürger, Bau und Unternehmen längst spürbar sind. F-NEWS berichtete über die EZB-Zinserhöhung, die Kredite und Investitionen verteuert, ebenso über die EZB-Warnung vor der Verdrängung von Bargeld, während sie zugleich den digitalen Euro vorantreibt.

Die KI-Wette an den Börsen kann schiefgehen. Das bestreitet auch niemand. Doch wenn ausgerechnet die EZB zu Vorsicht mahnt, sollte man den Absender nicht ausblenden. Ihre Warnung ändert nichts daran, dass sie selbst mit ihren Entscheidungen seit Jahren tief in Märkte, Kreditkosten und die Freiheit des Bezahlens eingreift.

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