Realsatire: EZB warnt vor schleichender Verdrängung von Bargeld

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Die Europäische Zentralbank warnt inzwischen selbst vor dem schleichenden Bedeutungsverlust des Bargelds. In einer Rede vor dem Europaparlament verwies Direktoriumsmitglied Piero Cipollone darauf, dass die Annahme von Bargeld bei Unternehmen im Euroraum zwischen 2021 und 2024 von 96 auf 88 Prozent gesunken ist. Gleichzeitig treibt dieselbe Institution den digitalen Euro mit Hochdruck voran.

Die Zahlen der EZB sprechen eine deutliche Sprache. In ihrer Zahlungsstrategie hält sie fest, dass Bargeld 2024 nur noch 24 Prozent der alltäglichen Zahlungen ausmachte. Der Anteil von Unternehmen, die kein Bargeld annehmen, habe sich binnen drei Jahren auf zwölf Prozent verdreifacht. Parallel stieg der Anteil des Onlinehandels am Wert der gekauften Waren zwischen 2019 und 2024 von 18 auf 36 Prozent.

Offiziell lautet das Versprechen aus Frankfurt: Der digitale Euro solle Scheine und Münzen ergänzen, nicht ersetzen. Doch die EZB arbeitet bereits am Pilotprojekt; nach ihrem eigenen Zeitplan könnten bei einem Gesetzesbeschluss noch 2026 erste Ausgaben 2029 möglich werden. Das neue digitale Zentralbankgeld soll im Laden, online und von Person zu Person funktionieren und gesetzlichen Zahlungsmittelstatus erhalten.

Für den Erhalt des Bargelds verweist die EZB zugleich auf das geplante Gesetzespaket zum gesetzlichen Zahlungsmittel. Es soll Zugang und Annahme von Scheinen und Münzen absichern. Dass eine Zentralbank diese Schutzvorschriften jetzt fordert, zeigt aber vor allem eines: Der alltägliche Rückzug des Bargelds ist längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr.

Bargeld braucht weder ein Konto noch ein Terminal, Strom, Netzverbindung oder einen Zahlungsdienstleister. Die EZB nennt selbst diese Eigenschaften: Bargeld trägt Wert, lässt sich zuverlässig prüfen und wird ohne Dritten abgewickelt. Wenn immer mehr Geschäfte, Dienstleistungen und Online-Angebote praktisch nur noch digital erreichbar sind, hilft das Versprechen der freien Wahl wenig, solange die analoge Wahl im Alltag verschwindet.

F-NEWS hat die Entwicklung im Dossier „Bargeld, digitaler Euro und Kontrollgeld“ zusammengefasst und über den Start der EZB-Testphase mit 36 Banken berichtet. Die Realsatire bleibt: Frankfurt erkennt die Bargeldverdrängung an, während die Institution parallel das neue staatliche Digitalgeld vorbereitet, das den digitalen Zahlungsverkehr noch stärker zum Normalfall machen soll.

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