Oh, wie schade: BioNTech hat im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von rund 1,35 Milliarden Euro angehäuft. Der Mainzer Impfstoffkonzern verbrennt damit in nur sechs Monaten mehr Geld, als im gesamten vergangenen Jahr verloren ging. 2025 stand unter dem Strich bereits ein Minus von 1,136 Milliarden Euro.
Vom Geldregen der Corona-Jahre ist wenig geblieben. 2021 verdiente BioNTech mehr als zehn Milliarden Euro, 2022 waren es noch rund 9,4 Milliarden Euro. Nun ist die Nachfrage nach dem gemeinsam mit Pfizer vertriebenen Covid-Impfstoff eingebrochen. BioNTech selbst rechnet für 2026 mit weiter sinkenden Erlösen aus diesem Geschäft – sowohl in Europa als auch in den USA.
Schon das erste Quartal zeigte die Richtung: 118,1 Millionen Euro Umsatz standen 531,9 Millionen Euro Nettoverlust gegenüber. Allein die Forschungs- und Entwicklungskosten beliefen sich in diesen drei Monaten auf 557 Millionen Euro. BioNTech steckt viel Geld in Krebsmedikamente, Immuntherapien und sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Diese Programme können eines Tages hohe Umsätze bringen. Heute kosten sie jedoch Milliarden.
Das Unternehmen ist deshalb nicht zahlungsunfähig. Ende März verfügte BioNTech noch über Barmittel, Zahlungsmitteläquivalente und Wertpapieranlagen von zusammen 16,8 Milliarden Euro. Dieses Polster stammt zu einem erheblichen Teil aus dem Corona-Boom. Es erlaubt dem Konzern, die derzeitigen Verluste auszuhalten und seine Medikamentenpipeline weiterzufinanzieren.
Doch das ändert nichts an der Fallhöhe. Der einstige deutsche Impfstoffchampion lebt nicht mehr von einem massenhaft verkauften Produkt, sondern von der Hoffnung, dass aus teuren Studien irgendwann zugelassene und profitable Krebsmedikamente werden. Forschung ist riskant: Kandidaten können in späten Studien scheitern, Zulassungen können ausbleiben und Konkurrenten können schneller sein.
Besonders bitter ist die Bilanz für jene, die BioNTech während der Pandemie beinahe zum nationalen Heiligtum erklärten. Kritische Fragen zu den Verträgen, den Milliardenbestellungen und den Folgen der Impfkampagne wurden häufig abgewehrt. Währenddessen zahlten Staaten für riesige Mengen Impfstoff, von denen später Millionen Dosen ungenutzt blieben. F-News berichtete über ungenutzte Corona-Impfdosen und die politischen Kosten.
Auch Pfizer nutzte die Einnahmen aus dem Corona-Geschäft für milliardenschwere Zukäufe im Krebsbereich. Die Frage, ob die Pharmakonzerne den nächsten großen Absatzmarkt bereits fest im Blick haben, stellte zuletzt Beatrix von Storch. F-News hat die Verwendung der Corona-Milliarden für Krebsmedikamente dokumentiert.
BioNTechs Rechnung ist klar: Das alte Geschäft schrumpft, also müssen neue Medikamente her. Die Aktionäre bezahlen diese Wette vorerst mit roten Zahlen, während der Konzern weiterhin auf einem gewaltigen Finanzpolster sitzt. Ob daraus die nächste Erfolgsgeschichte entsteht oder ob die Milliarden aus der Pandemie Stück für Stück in Forschung ohne ausreichenden Ertrag verschwinden, entscheidet sich erst in den kommenden Jahren.
Die Halbjahresbilanz liefert jedenfalls keinen Grund für Jubel. 1,35 Milliarden Euro Verlust in sechs Monaten sind kein kleiner Schönheitsfehler. Sie zeigen, wie schnell ein Geschäftsmodell einbricht, sobald der politisch befeuerte Ausnahmezustand endet und die Käufer nicht mehr Schlange stehen.
Quellen: BioNTech: Ergebnisse des ersten Quartals 2026; BioNTech: Jahresergebnis 2025.








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