Millionen ungenutzte Corona-Impfdosen stehen für die AfD-Bundestagsfraktion als Symbol einer politisch entgleisten Pandemiepolitik. In einer aktuellen Mitteilung spricht die Fraktion von einem „Mahnmal politischer Verantwortungslosigkeit“. Gemeint ist die Beschaffungspolitik, bei der der Staat enorme Mengen Impfstoff bestellte, von denen ein erheblicher Teil später ungenutzt blieb.
Der Vorwurf trifft einen wunden Punkt der Corona-Bilanz. Während Bürger mit Impfdruck, Zugangsbeschränkungen, moralischen Appellen und teilweise existenziellen Folgen für berufliche und gesellschaftliche Teilhabe konfrontiert wurden, stapelten sich im Hintergrund Impfstoffmengen, deren Bedarf offenbar politisch völlig überschätzt wurde. Bestellt wurde nach Notstandslogik, abgerechnet wird jetzt mit dem Steuerzahler.
Die AfD sieht darin keinen bloßen Verwaltungsfehler, sondern ein politisches Versagen. Die massenhaften Überschüsse seien nicht vom Himmel gefallen, sondern Ergebnis einer Beschaffungspolitik, die auf Panik, Prognosen, Herstellerinteressen und politischem Absicherungsreflex beruhte. Wer damals jede Kritik an der Impfkampagne als unsolidarisch abtat, muss sich heute fragen lassen, warum so viele Dosen überhaupt bestellt wurden.
Besonders bitter ist die Symbolik. Die Impfstoffe wurden mit dem Versprechen eines Auswegs aus der Krise verbunden. Sie sollten Freiheit zurückbringen, Kliniken entlasten, Infektionen stoppen, Leben retten. Am Ende steht jedoch auch ein Berg ungenutzter Dosen, Haltbarkeitsfristen, Lagerkosten und Entsorgung. Das passt nicht zum glatten Regierungsnarrativ vom alternativlosen Erfolg.
Die Frage ist nicht, ob in einer akuten Lage Vorsorge getroffen werden darf. Natürlich muss ein Staat handlungsfähig sein. Die Frage ist, warum aus Vorsorge ein Beschaffungsapparat wurde, der offenbar weit über den realen Bedarf hinausging. In einer Krise darf Politik nicht zur Blankovollmacht für Milliardenentscheidungen ohne echte spätere Haftung werden.
Gerade deshalb ist die AfD-Forderung nach Aufarbeitung politisch berechtigt, auch wenn sie von den alten Corona-Parteien erwartbar abgewehrt werden dürfte. Wer Grundrechte einschränkte, Menschen nach Impfstatus sortierte und Kritik an der Kampagne moralisch delegitimierte, kann die materielle Bilanz nicht einfach als Buchhaltungsproblem entsorgen.
Die ungenutzten Dosen sind mehr als Glasfläschchen im medizinischen Abfall. Sie stehen für eine Politik, die erst Angst erzeugte, dann Gehorsam verlangte, dann zu viel einkaufte und am Ende niemanden verantwortlich machen will. Genau dieses Muster darf nicht in den Akten verschwinden.
Wenn Corona wirklich aufgearbeitet werden soll, gehören nicht nur Maskenaffären, RKI-Protokolle, Impfpflichtdebatten und Kommunikationskampagnen auf den Tisch. Auch die Frage, wer welche Impfstoffmengen zu welchen Bedingungen bestellte und warum Millionen Dosen ungenutzt blieben, muss beantwortet werden. Sonst bleibt vom Krisenmanagement nur die alte Regel: Die Bürger zahlen, die Verantwortlichen erklären sich für alternativlos.






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