374 Beratungsanfragen zum Merkmal „Geschlecht“ kamen 2025 bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von Menschen an, die sich als trans, inter oder nichtbinär bezeichneten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine AfD-Anfrage hervor. Fünf Jahre zuvor waren es 154 Anfragen.
Die Zahlen steigen seit Jahren: 2020 und 2021 registrierte die Stelle jeweils 154 Anfragen, 2022 waren es 178, 2023 schon 279 und 2024 sogar 388. Für 2025 weist die Regierung 374 Anfragen aus. Erfasst werden sie pauschal unter dem AGG-Merkmal „Geschlecht“.
Wie viele davon tatsächlich nichtbinäre Personen oder Menschen mit dem Geschlechtseintrag „divers“ betreffen, weiß die Bundesregierung nicht. Eine weitergehende Aufschlüsselung erfolgt nach ihrer Antwort nicht. Auch die Fragen, wie viele Verfahren daraus wurden und wie Gerichte entschieden, bleiben offen: Über öffentlich zugängliche Quellen hinaus lägen der Regierung keine Erkenntnisse zu AGG-Entscheidungen vor. Eine systematische Erfassung gebe es nicht.
Bei den Themen „Deadnaming“ und Offenbarungsverbot ist die Lage ebenso dünn. Die Antidiskriminierungsstelle erfasst laut Bundesregierung weder, wie oft das Selbstbestimmungsgesetz eine Rolle spielt, noch wie häufig Vorwürfe wegen der Verwendung eines früheren Namens erhoben werden. Neue Ressourcen für die Stelle plant die Regierung nicht. Eine juristische Untersuchung zum Thema „Geschlechtliche Vielfalt am Arbeitsplatz“ hat die ADS zwar beauftragt, sie soll aber erst 2027 erscheinen.
Die Antwort zeigt ein altbekanntes Muster: Der Staat weitet Schutzbegriffe und Beratungsstrukturen aus, kann aber nicht darlegen, wie viele konkrete Fälle dahinterstehen und welche rechtlichen Folgen sie haben. F-NEWS berichtete bereits darüber, wie die Bundesregierung das Missbrauchspotential des Selbstbestimmungsgesetzes kleinredet, sowie über die Verurteilung eines Uni-Mitarbeiters wegen „Misgenderns“ in Brasilien. Die aktuelle Drucksache liefert jedenfalls keine belastbare Übersicht über echte Diskriminierungsfälle, wohl aber einen steilen Anstieg der Beratungsanfragen.








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