Titel weg, Karriere weiter: Wie Deutschlands Plagiats-Politiker einfach nach oben fallen

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Der Fall der Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg, der F-News in „Schwerster Plagiatsfall seit Guttenberg“ nachgegangen ist, reiht sich in eine lange deutsche Tradition ein: Seit 2011 verloren mindestens ein Dutzend Politiker ihren Doktortitel wegen abgeschriebener Dissertationen. Bemerkenswert ist dabei weniger die schiere Zahl, sondern wie routiniert die Betroffenen anschließend weitermachen.

Den Anfang machte 2011 Karl-Theodor zu Guttenberg, dem die Uni Bayreuth den Titel entzog und der als Verteidigungsminister zurücktrat. Es folgten binnen weniger Monate Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis (beide FDP, Uni Heidelberg und Bonn), 2012 Bijan Djir-Sarai und Margarita Mathiopoulos, 2013 Bundesbildungsministerin Annette Schavan, 2019 der Bundestagsabgeordnete Frank Steffel und 2024 Berlins Verkehrssenatorin Manja Schreiner. Fast alle traten formal von ihren Ämtern zurück, jedenfalls auf dem Papier.

Wie wenig ein aberkannter Doktortitel eine Karriere tatsächlich beendet, zeigt kein Fall so deutlich wie der von Franziska Giffey. Die SPD-Politikerin musste 2021 als Bundesfamilienministerin zurücktreten, nachdem die FU Berlin ihr den Titel entzogen hatte. Schon zwei Jahre später war sie Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin von Berlin, und für die Landtagswahl im September 2026 schließt sie eine erneute Spitzenkandidatur der SPD nicht aus. Ein Rücktritt als Feigenblatt, mehr nicht, die eigentliche Machtposition blieb erhalten.

Ähnlich lief es bei Bijan Djir-Sarai. Der Uni Köln entzog ihm 2012 den Doktortitel wegen Plagiaten, seine Partei machte ihn trotzdem 2022 zum FDP-Generalsekretär, einem der einflussreichsten Ämter der Partei. Erst 2024 musste er gehen, allerdings wegen einer ganz anderen Affäre um falsche Angaben zu einem Parteipapier, mit dem Plagiat hatte das nichts mehr zu tun.

Noch weiter geht gerade Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt. Die TU Chemnitz entzog ihm im Januar 2026 den Doktortitel, sein Einspruch wurde im August abgewiesen, doch Voigt denkt gar nicht an Rücktritt. Er bleibt im Amt und klagt weiter, offenbar in der Hoffnung, dass die Öffentlichkeit irgendwann die Geduld verliert, bevor er es tut.

Auffällig ist zudem, wie sich die jüngeren Fälle politisch häufen: Steffel, Schreiner, Voigt und jetzt Badenberg, alle CDU. Ob das Zufall ist oder Ausdruck einer Partei, die es mit wissenschaftlicher Redlichkeit in den eigenen Reihen nicht allzu genau nimmt, darf sich jeder selbst beantworten.

Was bleibt, ist ein bekanntes Muster: Rücktritt, kurze Schamfrist, Rückkehr auf einen mindestens ebenso guten Posten, oder, wie bei Voigt, gleich der komplette Verzicht auf jede Konsequenz. Ob Badenberg dem Voigt-Modell folgt und einfach sitzen bleibt, oder dem Schreiner-Modell und schnell geht, um danach wie Giffey in zwei, drei Jahren wieder oben aufzutauchen, wird sich zeigen. Nur eines scheint in Deutschland nahezu ausgeschlossen: dass ein Plagiat allein eine politische Karriere tatsächlich beendet.

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