Schwerster Plagiatsfall seit Guttenberg: Berlins Justizsenatorin Badenberg soll Doktorarbeit abgeschrieben haben

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Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) soll ihre 2005 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln eingereichte Doktorarbeit über weite Strecken abgeschrieben haben. Das zeigt ein Gutachten des österreichischen Plagiatsforschers Stefan Weber, über das unter anderem die Berliner Zeitung berichtet.

Weber dokumentiert bislang 83 Plagiatsfragmente, die sich nach eigenen Worten „vom Dankeswort über die Einleitung bis zum Schlusswort und sogar zum Klappentext“ durch die gesamte Arbeit ziehen. Unzitiert übernommen wurden demnach Textbausteine unter anderem aus Dissertationen von Sethe (1995) und Helms (1999) sowie einem Aufsatz von Schmidt-Didczuhn (1989). Besonders dreist: An mehreren Plagiatsstellen soll Badenberg Formulierungen wie „meines Erachtens“ eingefügt haben, um fremde Gedanken als eigene auszugeben.

In seiner Einschätzung findet Weber deutliche Worte: Ein derartiges Ausmaß habe er „in der bundesdeutschen Rechtswissenschaft seit dem Fall Karl-Theodor zu Guttenberg 2011 nicht mehr gesehen“. Mit „(rechts-)wissenschaftlichem Arbeiten“ habe das alles „nicht einmal am Rande etwas zu tun“.

Brisant ist auch ein Widerspruch zu Badenbergs eigener früherer Aussage: 2023 hatte sie sich gegenüber dem Tagesspiegel selbst „Plagiatsfreiheit“ attestiert. Jetzt versichert sie, die Dissertation sei „nach bestem Wissen und Gewissen“ angefertigt worden, und hat die Universität zu Köln aufgefordert, ihre Arbeit „unabhängig und umfassend zu prüfen“. Ein Ergebnis der Prüfung steht aus.

Weber geht in seiner Bewertung noch weiter und warnt vor der politischen Dimension des Falls: Er halte es „gesellschaftspolitisch für brandgefährlich, dass jemand mit so einem schwerwiegenden akademischen Textbetrug in die Justiz und schließlich in die Politik gelangt“.

Politisch ist der Zeitpunkt heikel. Badenberg wurde 2023 als Parteilose von Regierendem Bürgermeister Kai Wegner ins Amt geholt, trat 2024 der CDU bei und kandidiert im September zur Abgeordnetenhauswahl im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Ausgerechnet die Senatorin, die erst kürzlich unter dem Vorwand der Linksextremismus-Bekämpfung totale Überwachung forderte, muss sich nun selbst gegen den Vorwurf der Täuschung verteidigen.

Präzedenzfälle gibt es genug, und sie enden meist gleich. Franziska Giffey (SPD) verlor 2021 ihren Doktortitel und musste als Bundesfamilienministerin zurücktreten, Manja Schreiner (CDU) traf es 2024 ebenso. Auch Thüringens Ministerpräsident Voigt steht wegen ähnlicher Vorwürfe unter Druck. Wer als Senatorin für die Integrität der Berliner Justiz und der juristischen Staatsexamina verantwortlich zeichnet, dürfte an dieser Latte kaum vorbeikommen.

Bis zum Prüfungsergebnis aus Köln bleibt Badenberg im Amt. Doch die Ironie ist kaum zu übersehen: Wer selbst über Recht und Ordnung wachen soll, aber die eigene akademische Karriere offenbar mit fremden Sätzen gebaut hat, verliert genau jene Autorität, die das Amt eigentlich braucht.

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