Das iranische Regime setzt offenbar nicht darauf, die USA militärisch zu besiegen. Es will Donald Trump schlicht aussitzen. Wie der Politikwissenschaftler Majid Rafizadeh in einer aktuellen Analyse für das Gatestone Institute schreibt, soll Teheran die Konfrontation bis zum Ende von Trumps Amtszeit im Januar 2029 verwalten und danach gestärkt zurückkehren. Der Schlüssel zu diesem gefährlichen Zeitspiel sei die Straße von Hormus.
Rafizadeh beruft sich auf Äußerungen, die Majid Shakeri zugeschrieben werden, einem Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf. Demnach gehe es um einen Zustand zwischen Krieg und Frieden, um „strategische Geduld“ und darum, mit Trump auszukommen, bis dessen Amtszeit endet. Aus Sicht des Autors hat Teheran seine Absichten damit ungewöhnlich offen benannt.
Für die verbleibenden Jahre von Trumps Präsidentschaft erwartet Gatestone ein altbekanntes Spiel: Die Wasserstraße werde geöffnet und wieder geschlossen, Verhandlungen würden in Aussicht gestellt, Vermittler eingeschaltet und Gespräche begonnen, nur um sie später erneut abzubrechen. So könne das Regime Monat um Monat gewinnen, bis der politische Druck in Washington nachlasse oder ein anderer Präsident ins Weiße Haus einziehe.
Der Iran habe bereits im acht Jahre dauernden Krieg gegen den Irak bewiesen, dass seine Führung Konflikte in die Länge ziehen könne, selbst wenn die eigene Bevölkerung einen hohen Preis zahle. Sanktionen, sinkende Öleinnahmen und wirtschaftliche Not seien für die Machthaber daher nachrangig. Oberste Priorität sei allein das politische Überleben bis zum Ende der Ära Trump.
Zur entscheidenden Waffe werde dabei die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert wird. Das Regime wolle nach Rafizadehs Darstellung künftig bestimmen, wer die Meerenge unter welchen Bedingungen passieren darf, und später sogar Gebühren für angebliche Navigationsdienste erheben. Wie stark eine Blockade dieser Route auch Deutschland treffen kann, zeigte F-NEWS bereits beim Bericht über den drohenden Preisschock durch die Sperrung der Straße von Hormus.
Gatestone warnt, dass die daraus gewonnenen Einnahmen Teherans Stellvertretermilizen und Terrorgruppen erneut finanzieren könnten. Zugleich könne das Regime mit Hilfe Chinas, Russlands und Nordkoreas sein Atomprogramm weiter absichern. Rafizadeh nennt in diesem Zusammenhang den angeblich unter dem Pickaxe Mountain verborgenen Teil des Nuklearprogramms und zeichnet das Bild eines Iran, der nach Trumps Abgang reicher, rachsüchtiger und möglicherweise nuklear bewaffnet zurückkehrt.
Die jetzige Waffenruhe und die laufenden Verständigungsversuche wären in dieser Lesart kein Weg zu dauerhaftem Frieden, sondern nur eine Atempause für Teheran. Bereits die jüngste Vereinbarung ließ Zweifel zurück: F-NEWS schrieb dazu, Trump habe statt einer iranischen Kapitulation lediglich 60 Tage Aufschub erhalten. Gatestone geht noch weiter und warnt, dass jedes halbherzige Ende der Kampagne dem Regime genau jene Zeit verschafft, auf die es spekuliert.
Rafizadehs Forderung ist entsprechend kompromisslos: Wirtschaftlichen und militärischen Druck fortsetzen, die oppositionellen Kräfte innerhalb und außerhalb des Iran unterstützen und sich nicht mit einem bloßen Scheingeschäft zufriedengeben. Das Ziel müsse eine vollständige und bedingungslose Kapitulation des Regimes sein. Andernfalls könnte Trump zwar eine Schlacht gewonnen haben, zugleich aber den Weg für einen gefährlicheren Iran nach seiner Präsidentschaft freimachen.






