Die Warnungen kommen nicht mehr nur von Kritikern der Energiewende. Laut Medienberichten haben die vier großen deutschen Übertragungsnetzbetreiber die Bundesnetzagentur in einem Brandbrief vor einem möglichen Strommangel gewarnt. 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW tragen die Verantwortung dafür, dass Erzeugung und Verbrauch im deutschen Höchstspannungsnetz jederzeit im Gleichgewicht bleiben.
Der Brief selbst ist bislang nicht öffentlich zugänglich. Deshalb lässt sich sein genauer Wortlaut nicht unabhängig prüfen. Die gemeinsame Warnung der vier Betreiber ist dennoch ein schweres Signal. Sie kennen Kraftwerksbestand, Reserven, Netzengpässe und Verbrauchsspitzen aus dem täglichen Betrieb. Wenn ausgerechnet diese Unternehmen vor fehlender Leistung warnen, kann die Politik das Problem nicht länger als Panikmache abtun.
Strommangel bedeutet nicht automatisch, dass Deutschland plötzlich vollständig dunkel wird. Reicht die verfügbare Erzeugungsleistung in einer kritischen Stunde nicht aus, greifen Netzreserve, Kapazitätsreserve, Importe und weitere Eingriffe. Scheitern diese Mittel, bleibt als letzte Möglichkeit die gezielte Verringerung des Verbrauchs. Dann können große industrielle Lasten zeitweise vom Netz genommen werden, um einen unkontrollierten Zusammenbruch zu verhindern.
Genau dieses Risiko ist längst amtlich bekannt. Die Bundesnetzagentur überwacht die Versorgungssicherheit und hat in ihren Planungen einen erheblichen Bedarf an neuer gesicherter Kraftwerksleistung ausgewiesen. Windräder und Solaranlagen können große Strommengen liefern, garantieren aber keine Leistung für jede Stunde. Speicher, Netzausbau und neue regelbare Kraftwerke entstehen nicht in demselben Tempo, in dem Kern- und Kohlekraftwerke verschwinden.
F-NEWS warnte bereits vor möglichen Strom-Lockdowns und zeitweisen Abschaltungen großer Verbraucher. Auch die sogenannte Hitzeflaute zeigte, wie schnell geringe Windleistung und schwächere Kraftwerksverfügbarkeit die Preise treiben. Der Beitrag über die wackelnde Energiewende bei geringem Windaufkommen beschrieb das Problem bereits im Sommer.
Christian Loose, energie- und wirtschaftspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag, sieht sich durch den Brandbrief bestätigt:
„Dieser Brief macht deutlich: Strommangel ist auch bei uns in NRW ein ganz reales Risiko. Eklatante energiepolitische Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre werden von Tag zu Tag sichtbarer. Der de facto zeitgleiche Ausstieg aus für unser Land unverzichtbaren Grundversorgungstechnologien ist und bleibt in jeder Hinsicht unverantwortlich.
Wenn wir die deutsche Energieversorgung nicht wieder auf sichere Füße stellen, sind die Konsequenzen für Wirtschaft und Verbraucher fatal. Wir müssen die sogenannte Energiewende sofort rückabwickeln.“
NRW wäre von einer Versorgungslücke besonders betroffen. Das Land ist Industriestandort, dicht besiedelt und Heimat großer Chemie-, Stahl- und Produktionsbetriebe. Schon kurze erzwungene Unterbrechungen können Anlagen beschädigen, Lieferketten zerreißen und hohe Kosten verursachen. Ein privater Haushalt kann die Waschmaschine später einschalten. Ein Hochofen, eine Aluminiumhütte oder eine Chemieanlage lässt sich nicht wie eine Stehlampe behandeln.
Die Energiewende wurde verkauft, als ließen sich gesicherte Kraftwerke abschalten und ihre Leistung später irgendwie durch Netze, Speicher, Importe und noch zu bauende Gaskraftwerke ersetzen. Nun warnen die Betreiber des Stromnetzes selbst. Deutschland diskutiert damit nicht mehr über ein theoretisches Risiko. Es diskutiert darüber, wie viel Mangel verwaltet werden muss, wenn die fehlende Leistung nicht rechtzeitig gebaut wird.






