Die niederländische Schlagzeile klingt beruhigend: Der Anteil der Asylmigranten, die einer Straftat verdächtigt werden, sei seit Jahren stabil. Hinter dieser Formulierung stehen jedoch mehr als 7.500 polizeiliche Registrierungen im Jahr 2025 – 23 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die Zahlen stammen vom niederländischen Forschungs- und Dokumentationszentrum WODC, das dem Justizministerium zugeordnet ist. Wie der öffentlich-rechtliche Sender NOS berichtet, wurden 2025 insgesamt rund 113.000 Menschen von der staatlichen Aufnahmeorganisation COA untergebracht. Dazu zählen Asylbewerber sowie bereits anerkannte Schutzberechtigte, die noch auf eine reguläre Wohnung warten.
Bei 3.270 Bewohnern wurde ein Straftatverdacht registriert. Weil einzelne Personen mehrfach auffielen, entstanden daraus mehr als 7.500 polizeiliche Registrierungen. Der Anteil der Verdächtigen an allen Bewohnern lag damit weiterhin bei etwa drei bis vier Prozent. Genau darauf stützt sich die offizielle Aussage, die Kriminalitätsquote sei stabil geblieben.
Die absolute Zahl der Polizeiregistrierungen stieg dennoch um 23 Prozent. Das WODC nennt laut NOS keine Erklärung für diesen Sprung. Bei den Delikten stehen Laden- und Fahrraddiebstähle an der Spitze. Danach folgen Gewaltdelikte, Vandalismus und Störungen der öffentlichen Ordnung.
Auffällig ist auch die Zusammensetzung der Tatverdächtigen. Viele kommen aus Algerien, Marokko und Tunesien – Staaten, deren Bürger in den Niederlanden meist nur geringe Aussichten auf ein dauerhaftes Bleiberecht haben. Besonders überrepräsentiert sind unbegleitete minderjährige Ausländer. Sie stellen acht Prozent der Bewohner in den COA-Unterkünften, aber 22 Prozent der dort erfassten Tatverdächtigen.
Zusätzlich nahm die Zahl der registrierten Vorfälle in Asyl- und Notunterkünften um etwa sechs Prozent zu. Am häufigsten wurden verbale Aggression und Gewalt gemeldet, gefolgt von körperlichen Übergriffen. Die Forscher verweisen darauf, dass zugleich die Zahl der untergebrachten Menschen gestiegen sei und viele Bewohner in ungeeigneten Notquartieren lebten.
Die Zahlen erklären, warum niederländische Gemeinden neue Unterkünfte häufig ablehnen. F-NEWS berichtete bereits über das überfüllte Aufnahmezentrum Ter Apel. Ein weiterer Fall zeigte, wie Tausende Bußgelder gegen Asylbewerber wegen Schwarzfahrens ungültig wurden.
Die statistische Überschrift „stabil“ ist formal begründbar, weil der Anteil verdächtiger Bewohner kaum verändert ist. Sie verdeckt aber einen anderen Teil der Wirklichkeit: mehr als 7.500 Polizeiregistrierungen, einen Anstieg um 23 Prozent und eine massive Überrepräsentation unbegleiteter Minderjähriger. Wer nur die Quote nennt, beruhigt. Wer die absoluten Zahlen liest, versteht die Sorgen vieler Kommunen deutlich besser.






