Die Lufthansa verkauft mehr und verdient trotzdem deutlich weniger. Nach dem am Dienstag veröffentlichten zweiten Zwischenbericht 2026 stieg der Umsatz im zweiten Quartal um acht Prozent auf 11,14 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn brach jedoch um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ein. Beim Konzernergebnis ist der Absturz noch härter: Es sank von 1,012 Milliarden auf nur noch 123 Millionen Euro, ein Minus von 88 Prozent.
Auch die Halbjahresbilanz zeigt, wie tief die Belastung reicht. Von Januar bis Juni erzielte der Konzern zwar knapp 19,9 Milliarden Euro Umsatz. Das bereinigte Betriebsergebnis rutschte jedoch von plus 149 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 229 Millionen Euro. Unter dem Strich steht nach sechs Monaten ein Verlust von 542 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Lufthansa noch 127 Millionen Euro verdient.
Der Konzern nennt vor allem den Iran-Krieg, stark gestiegene Kerosinpreise, gestrichene Strecken und Arbeitskämpfe als Ursachen. Nach Angaben von n-tv verursachte der teurere Treibstoff allein im zweiten Quartal Mehrkosten von rund 750 Millionen Euro. Die Streiktage im April belasteten das Ergebnis zusätzlich mit etwa 150 Millionen Euro. Der durchschnittliche Kerosinpreis lag im ersten Halbjahr laut Lufthansa 60 Prozent über dem Vorjahresniveau.
F-NEWS hatte bereits gewarnt, dass Kerosinknappheit und steigende Treibstoffkosten Urlaubsflüge bedrohen. Nun steht die Rechnung in der Bilanz. Lufthansa will 23 Regionaljets ausmustern, treibstoffintensive Airbus A340-600 früher stilllegen und zwei Boeing 747-400 ab dem Winter vorübergehend aus dem Verkehr ziehen. Was als Flottenbereinigung verkauft wird, ist eine direkte Reaktion auf explodierende Betriebskosten.
Gleichzeitig schrumpfte der Flugbetrieb. Im ersten Halbjahr sank die Zahl der Flüge um fünf Prozent, die Passagierzahl ging um ein Prozent auf 60,7 Millionen zurück. Die Flugzeuge waren zwar besser ausgelastet, doch höhere Ticketpreise und ein volleres Flugzeug reichten nicht aus, um die Kostenlawine abzufangen. Der operative Cashflow fiel um 20 Prozent, die Nettokreditverschuldung stieg gegenüber dem Jahresende auf knapp 6,7 Milliarden Euro.
Lufthansa senkte ihren Ausblick auf eine Spanne von 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro bereinigtem Betriebsgewinn. Zuvor hatte der Konzern das obere Ende der bisherigen Prognose angepeilt. Damit wird aus dem optimistischen Jahresziel eine breite Sicherheitszone. Weitere Ölpreissprünge, Streiks oder Streckenausfälle können die Rechnung schnell noch einmal verschlechtern.
Der Gewinneinbruch passt in ein Land, das wirtschaftliche Schwäche inzwischen als Erfolgsmeldung verpackt. Zuletzt wurden bereits 0,2 Prozent Wachstum als Erholung verkauft. Bei Lufthansa zeigt sich nun dieselbe Wirklichkeit in Milliarden: Die Umsätze steigen auf dem Papier, während Kosten, Schulden und Risiken den Ertrag auffressen. Ein Konzern kann seine Flugzeuge voller packen. Gegen eine ausufernde Energie- und Krisenrechnung fliegt auch er nicht einfach an.








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