Italien: 13-Jährige im Minimarkt missbraucht – Richter lässt Tatverdächtigen frei

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In Turin soll ein 42-jähriger Angestellter eines Minimarkts eine 13-Jährige sexuell missbraucht haben. Nach einem Bericht von La Repubblica wurde der Mann festgenommen, kam aber nach zwei Nächten wieder frei. Der Ermittlungsrichter ordnete lediglich eine Meldeauflage an.

Das Mädchen war dem Bericht zufolge in den Laden im Turiner Stadtteil Madonna di Campagna gegangen, um Getränke zu kaufen. Sie schilderte den Vorfall anschließend ihrer Mutter. Der Staatsanwalt wirft dem 42-Jährigen schwere sexuelle Gewalt wegen des jungen Alters des Mädchens vor.

Besonders brisant: Auf Aufnahmen der Überwachungskamera soll rund 40 Minuten zuvor eine weitere sexuelle Attacke auf eine erwachsene Frau zu sehen sein. Diese Frau habe bislang keine Anzeige erstattet und sei noch nicht identifiziert. Der Beschuldigte soll die Aufnahmen selbst herausgegeben haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte Untersuchungshaft beantragt. Sie verwies auf die Gefahr weiterer gleichartiger Taten. Der Ermittlungsrichter verneinte jedoch die erforderliche konkrete Fluchtgefahr für die Festnahme. In seiner Anordnung sah er zwar weiterhin einen aktuellen und konkreten Wiederholungsverdacht, hielt aber die Meldeauflage für ausreichend. Der Beschuldigte habe sich kooperativ und reuig gezeigt.

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte scharf. Polizei und Staatsanwaltschaft hätten ihre Arbeit gemacht, erklärte sie. Dann werde die gesamte Kette binnen 48 Stunden durch eine Gerichtsentscheidung unterbrochen. Justizminister Carlo Nordio kündigte an, Inspektoren zum Gericht in Turin zu entsenden. Die richterliche Unabhängigkeit bleibe unberührt, der außergewöhnliche Fall und die öffentliche Beunruhigung machten aber eine Prüfung nötig.

Auch in Deutschland geraten Fälle sexueller Gewalt gegen Minderjährige immer wieder in den Fokus der Justiz. F-NEWS berichtete über einen Jugendtrainer in Untersuchungshaft wegen des Verdachts auf mehrfachen Kindesmissbrauch sowie über die Anklage gegen einen niedersächsischen Richter, bei dem ein Bericht rund 1,7 Millionen Dateien mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs nannte.

Für die Familie des Mädchens ist die Entscheidung ein Affront. Wenn ein Gericht selbst eine aktuelle Wiederholungsgefahr annimmt, einen Verdächtigen aber nach zwei Nächten wieder auf freien Fuß setzt, wirkt die Meldeauflage wie eine Antwort, die am Ernst des Vorwurfs vorbeigeht.

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