Volkswagen könnte am Standort Osnabrück künftig Komponenten für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fertigen lassen. Wie der NDR berichtet, laufen Gespräche über einen Einstieg des israelischen Rüstungskonzerns Rafael Advanced Defense Systems. Eine endgültige Vereinbarung gibt es nach den öffentlich bekannten Angaben noch nicht. Die Richtung ist dennoch eindeutig: Aus einem kriselnden Autowerk soll ein Standort der Rüstungsproduktion werden.
Rafael will in Osnabrück Bauteile für Iron-Dome-Komponenten für europäische Abnehmer herstellen lassen. Zuvor war von einem möglichen Gemeinschaftsunternehmen mit Volkswagen die Rede. Der Konzern selbst bestätigt die konkreten Pläne bislang nicht und verweist nur darauf, verschiedene Optionen für das Werk zu prüfen.
Das Land Niedersachsen ist dabei nicht bloß Zuschauer. Es hält nach Angaben des Volkswagen-Konzerns 20 Prozent der Stimmrechte und entsendet wegen seiner Beteiligung Vertreter in den Aufsichtsrat. Nach Reuters-Informationen, über die der NDR berichtete, will sich das Land bei einem Einstieg Rafaels „auf jeden Fall engagieren“. Wie dieses Engagement aussehen soll, blieb offen.
Damit steht ein staatlich mitbestimmter Autokonzern vor dem Einstieg in die Produktion für ein Raketenabwehrsystem. Die Landesregierung kann sich nicht hinter der Behauptung verstecken, die Zukunft des Werks sei allein Sache von Volkswagen. Niedersachsen ist Anteilseigner und übt über seine Stimmrechte Einfluss aus.
Für die rund 2.300 Beschäftigten in Osnabrück wird die Rüstungsoption als Rettung des bedrohten Standorts verkauft. Es ist aber zugleich ein weiteres Signal für die politische und wirtschaftliche Verschiebung: Wo die deutsche Autoindustrie unter Kosten, Regulierung und Absatzproblemen leidet, soll nun die Aufrüstung neue Aufträge schaffen. F-NEWS berichtete bereits, wie Rheinmetall, Mercedes und VW auf Kriegswirtschaft schalten.
Der Fall passt auch zu der Linie aus Berlin, die Militärproduktion als wirtschaftlichen Ausweg behandelt. Erst kürzlich räumte die Bundesregierung ein, dass Kriegswirtschaft Deutschland aus der Misere holen soll. Osnabrück wäre ein besonders sichtbares Beispiel: Ein Werk, das früher Autos baute, könnte künftig Teil der europäischen Raketenabwehr werden.
Ob der Deal tatsächlich zustande kommt, ist offen. Klar ist aber schon jetzt: Volkswagen und das Land Niedersachsen prüfen nicht irgendeinen Zulieferauftrag, sondern den Einstieg in ein Rüstungsprojekt. Die politische Verantwortung dafür lässt sich weder auf Rafael noch auf die Lage des Werks abschieben.








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