Der Historiker Hubertus Knabe wirft der AfD einen widersprüchlichen Umgang mit ehemaligen DDR-Kadern und Stasi-Belasteten vor. In seinem Beitrag „Das Stasi-Problem der AfD“ schreibt er, die Partei setze den Verfassungsschutz gern mit der Staatssicherheit gleich, ziehe aus Verstrickungen in den eigenen Reihen aber keine vergleichbaren Konsequenzen.
Knabe nennt mehrere Namen. Der thüringische AfD-Abgeordnete Dieter Laudenbach sei laut Stasi-Akten seit 1986 als IM „Klaus“ geführt worden. In Sachsen habe der frühere AfD-Politiker Detlev Spangenberg als IM „Bruno“ Kameraden aus der DDR-Armee berichtet. Knabe führt außerdem Frank-Ronald Bischoff an, der nach seiner Darstellung als Offizier im besonderen Einsatz für die Staatssicherheit gearbeitet habe, sowie den parlamentarischen Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion Enrico Komning, der sich 1989 freiwillig zum Stasi-Wachregiment verpflichtet habe.
Besonders ausführlich behandelt Knabe den Bericht einer Brandenburger Überprüfungskommission vom Mai. Sie habe bei fünf Landtagsabgeordneten frühere Tätigkeiten für DDR-Überwachungsorgane festgestellt; vier gehörten laut Knabe der AfD an. Dazu zählten Falk Janke und Peter Drenske, die im Stasi-Wachregiment dienten, sowie Roman Kuffert, der 1979 als IM angeworben worden sei. Kuffert erklärte der Kommission dem Beitrag zufolge, er habe nur belanglose Informationen geliefert und die Zusammenarbeit nach vier Treffen beendet.
Der vierte Brandenburger Fall ist Jean-René Adam. Knabe beschreibt ihn nicht als Stasi-IM, sondern als Informanten des Geheimdienstes der DDR-Kriminalpolizei. Laut dem von Knabe zitierten Bericht habe Adam Informationen über Ausreiseantragsteller und unangepasste Jugendliche gesammelt und drei Arbeitskollegen denunziert. Adam erklärte demnach, niemandem geschadet zu haben und die Tragweite seiner Tätigkeit anders zu sehen.
Knabes zentraler Vorwurf richtet sich gegen die Parteiführung. In der AfD gebe es keinen Unvereinbarkeitsbeschluss für ehemalige Stasi-Spitzel oder DDR-Funktionäre. Kandidaten müssten ihre Vergangenheit nicht vor einer Wahl offenlegen. Der Brandenburger Fraktionschef Hans-Christoph Berndt habe nach dem Bericht der Kommission erklärt, eine Stasi-Tätigkeit mache ein Mandat nicht automatisch unmöglich; jeder Einzelfall werde betrachtet.
Der Historiker hält diese Linie für unvereinbar mit der Selbstdarstellung der AfD als Erbin der Friedlichen Revolution. F-NEWS berichtete zuletzt über die Vorwürfe gegen den ehemaligen DDR-Politoffizier Sven Hüber, darunter über schwere Belastungen durch einen Zeitzeugen, und über seinen Rücktritt wegen seiner DDR-Vergangenheit. Knabes Beitrag fordert von der AfD nun dieselbe Klarheit, die sie von anderen beim Umgang mit der DDR verlangt.








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