Am 6. August 1945 um 8.15 Uhr Ortszeit warf der US-Bomber „Enola Gay“ über Hiroshima die Uranbombe „Little Boy“ ab. Sie explodierte rund 600 Meter über der Stadt und entwickelte eine Sprengkraft von ungefähr 15 Kilotonnen TNT. Schätzungen gehen von 70.000 bis 80.000 Toten in den ersten Stunden und Tagen aus. Die Stadt Hiroshima schätzt, dass bis Ende Dezember 1945 etwa 140.000 Menschen an Explosion, Feuer, Verletzungen und akuten Strahlenfolgen starben. Eine exakte Zahl gibt es nicht.
Drei Tage später, am 9. August, warf die „Bockscar“ die Plutoniumbombe „Fat Man“ über Nagasaki ab. Ihr ursprüngliches Ziel war Kokura; wegen schlechter Sicht wich die Besatzung auf Nagasaki aus. Die Bombe detonierte gegen 11.02 Uhr in etwa 500 Metern Höhe und hatte eine Sprengkraft von rund 21 Kilotonnen. Etwa 40.000 Menschen starben unmittelbar, bis zum Jahresende stieg die Zahl nach verbreiteten Schätzungen auf ungefähr 70.000 bis 74.000.
Zu den langfristigen Folgen gehörten schwere Verbrennungen, Keloide, Augenschäden und strahlenbedingte Erkrankungen. Das japanisch-amerikanische Radiation Effects Research Foundation verfolgt die gesundheitliche Entwicklung der Überlebenden seit Jahrzehnten. Ein erhöhtes Leukämierisiko zeigte sich bereits wenige Jahre nach den Abwürfen und erreichte sechs bis acht Jahre später seinen Höhepunkt. Auch bei mehreren soliden Krebsarten wurde ein dosisabhängig erhöhtes Risiko festgestellt. Viele Überlebende, die Hibakusha, litten außerdem unter sozialer Ausgrenzung und der Sorge vor späteren Erkrankungen.
Japan war im August 1945 militärisch weitgehend geschlagen. Die Marine war kaum noch einsatzfähig, die Versorgung wurde durch Blockade und Luftangriffe zerrüttet, zahlreiche Städte waren durch Brandbomben zerstört. Teile der Regierung suchten über Moskau nach einer Möglichkeit, den Krieg zu beenden. Gleichzeitig bestand die militärische Führung auf Bedingungen, insbesondere auf dem Fortbestand der kaiserlichen Ordnung, und eine formelle Annahme der alliierten Forderung lag vor Hiroshima nicht vor.
Die offizielle amerikanische Begründung lautete, die Bomben sollten eine schnelle Kapitulation erzwingen und eine Invasion der japanischen Hauptinseln mit hohen Verlusten auf beiden Seiten vermeiden. Die Potsdamer Erklärung vom 26. Juli hatte Japan zur Kapitulation aufgefordert und andernfalls „sofortige und völlige Zerstörung“ angekündigt. Eine Antwort im Sinne einer bedingungslosen Kapitulation blieb zunächst aus.
Daneben spielte die geopolitische Lage eine Rolle. Die Sowjetunion erklärte Japan am 8. August den Krieg und griff in der Mandschurei an. Bis heute wird unter Historikern darüber gestritten, welches Gewicht die Bomben, der sowjetische Kriegseintritt, die Blockade und die Aussicht auf eine Invasion für die Kapitulation hatten. Kaiser Hirohito verkündete sie am 15. August; die formelle Unterzeichnung erfolgte am 2. September 1945. Die Abwürfe blieben die bislang einzigen Einsätze von Atomwaffen in einem Krieg. Die Debatte über nukleare Abschreckung reicht bis in die Gegenwart, wie auch die Diskussion um deutsche Atomwaffenpläne und nukleare Sicherheit zeigt.
Die absurdesten Verschwörungstheorien rund um die Atombombe
Abseits der historischen Debatte kursieren Theorien, die nicht einzelne Entscheidungen, sondern die Existenz der Bomben selbst bestreiten. Die folgenden Punkte geben ausschließlich wieder, was deren Anhänger behaupten:
- Hiroshima und Nagasaki seien konventionell bombardiert worden: Die Zerstörung wird in dieser Variante Brandbomben oder großen herkömmlichen Sprengsätzen zugeschrieben. Als Argument dienen Vergleiche mit Tokio und Dresden, die ebenfalls ohne Atomwaffen verwüstet wurden, sowie Luftbilder, auf denen einzelne massive Gebäude stehen blieben.
- Atomwaffen seien technisch unmöglich: Vertreter behaupten, eine schnelle nukleare Kettenreaktion lasse sich in einer Bombe nicht kontrolliert auslösen. Das Manhattan-Projekt sei deshalb ein militärisches Täuschungsprogramm gewesen, an dem Wissenschaft, Regierungen und Medien bis heute mitwirkten.
- Die Aufnahmen der Atomtests seien Filmtricks: Pilzwolken, Druckwellen und zerstörte Testhäuser sollen mit Miniaturen, konventionellen Sprengstoffen, mehrfach verwendeten Filmaufnahmen oder späteren Spezialeffekten produziert worden sein. Als Argument werden Kameras und Messtürme angeführt, die in manchen Aufnahmen nahe der Explosion erkennbar bleiben.
- Die schnelle Rückkehr des Lebens beweise einen Schwindel: Dass in Hiroshima wieder Pflanzen wuchsen, Menschen in der Stadt lebten, Straßenbahnen fuhren und der Wiederaufbau begann, gilt Anhängern als Hinweis darauf, dass keine nukleare Explosion stattgefunden habe. Eine echte Atombombe müsste ihrer Vorstellung nach die Region über Generationen unbewohnbar machen.
- Die Strahlenschäden seien nachträglich erfunden worden: Erkrankungen der Überlebenden werden in dieser Erzählung auf Verbrennungen, Hunger, Infektionen und die allgemeinen Kriegsbedingungen zurückgeführt. Die bekannten „Atomschatten“ auf Steinen und Gebäuden sollen gewöhnliche Hitzeeffekte oder nachträgliche Inszenierungen sein.
- Die Bombe sei ein geopolitischer Bluff gewesen: Nach dieser Variante hätten Washington und Tokio gemeinsam die Geschichte einer Superwaffe verbreitet, um die Sowjetunion einzuschüchtern, die Nachkriegsordnung zu bestimmen und zugleich dem japanischen Kaiserhaus den Fortbestand zu ermöglichen.
- Außerirdische verhinderten weitere Atomwaffeneinsätze: Diese Theorie stützt sich auf Berichte ehemaliger US-Soldaten über UFOs an Nuklearanlagen und zeitweise ausgefallene Interkontinentalraketen, vor allem den Malmstrom-Vorfall von 1967. Der UFO-Forscher Robert Hastings und frühere Offiziere behaupteten, unbekannte Flugobjekte hätten Atomraketen überwacht oder deaktiviert. Daraus entstand die Vorstellung, außerirdische Akteure hätten nach Hiroshima und Nagasaki eine Art Kontrolle übernommen und verhinderten seitdem einen weiteren Atomkrieg. F-NEWS berichtete bereits über Robert Hastings und seine weitergehenden Aussagen.
Im deutschsprachigen Raum gibt es ebenfalls Autoren, die solche Theorien vertreten:
- Gerhard Wisnewski behauptet ausdrücklich, über Hiroshima sei keine Atombombe abgeworfen worden. Er vertritt die These in seinem Jahrbuch „Verheimlicht – vertuscht – vergessen 2024“ und in einem COMPACT-Interview.
- Clemens Aldenbrock geht noch weiter. Sein Buch „Die Atombombenlüge“ soll nach eigener Beschreibung beweisen, „dass es Atombomben nie gegeben hat“. Das ist in der offiziellen Buchbeschreibung nachzulesen.
- Dr. Michael Palmer, ein in Deutschland geborener Mediziner und Hochschullehrer, behauptet in „Hiroshima revidiert“, Hiroshima und Nagasaki seien mit Napalm, konventionellen Bomben und möglicherweise Senfgas zerstört worden. Nukleare Detonationen hätten nicht stattgefunden. Seine Argumentation ist im vollständigen deutschsprachigen Buch und in der Verlagsbeschreibung dokumentiert.
- Richard A. Huthmacher schreibt, die Atombombe habe es „nie gegeben“, gebe es nicht und könne es auch nicht geben. Seine entsprechende Veröffentlichung ist hier als PDF auffindbar.
Was die Opfer und die noch lebenden Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki wohl von solchen Theorien halten?








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