Golfstrom-Kollaps: EIKE wirft Rahmstorf selektive Zitate und Klima-Alarmismus vor

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Steht das Golfstrom-System vor dem Kollaps oder wird aus unsicheren Messreihen eine neue Klimakatastrophe gebaut? Die aktuelle Klimaschau des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE) greift Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung frontal an. Der Vorwurf: Rahmstorf präsentiere Daten als Beleg für eine gefährliche Abschwächung der Atlantikzirkulation, obwohl die zugrunde liegenden Arbeiten ein deutlich vorsichtigeres Bild zeichneten.

Im Mittelpunkt steht die Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation, kurz AMOC. Sie transportiert warmes Wasser nach Norden und prägt damit das Klima in West- und Nordeuropa. Ein starker Einbruch hätte erhebliche Folgen. Gerade deshalb eignet sich das Thema perfekt für dramatische Schlagzeilen. Doch zwischen einer physikalisch möglichen Gefahr und dem Nachweis eines unmittelbar bevorstehenden Kollapses liegt ein gewaltiger Unterschied.

EIKE verweist auf eine von Science zusammengefasste Debatte unter Fachwissenschaftlern. Danach seien viele Aussagen über einen nahenden Kollaps weiterhin mit großen Unsicherheiten behaftet. Oberflächentemperaturen im Nordatlantik würden stark durch die Atmosphäre beeinflusst und seien deshalb kein eindeutiger Messfühler für die Stärke der AMOC. Rahmstorfs sogenannter „Cold Blob“, eine ungewöhnlich kühle Region im Nordatlantik, sei daher kein nahezu unfehlbarer Kollapsbeweis.

Besonders scharf kritisiert das Video Rahmstorfs Umgang mit einer Arbeit über Messungen des Florida-Stroms. Rahmstorf habe daraus eine signifikante Abschwächung um rund zehn Prozent in zwei Jahrzehnten zitiert. EIKE hält dagegen, dass die Studie nach einer Korrektur für Veränderungen des Erdmagnetfelds gerade keinen belastbaren langfristigen Rückgang ausweise. Die beobachtete Zeitreihe passe demnach eher zu Schwankungen über mehrere Jahrzehnte.

Auch eine extreme Abnahme des Salzgehalts im östlichen subpolaren Nordatlantik zwischen 2012 und 2016 wird im Video aufgegriffen. Die dazu verlinkte Studie in Nature Communications beschreibt tatsächlich das stärkste derartige Ereignis in 120 Jahren Messgeschichte. Als Ursache nennt die Arbeit jedoch ungewöhnliche Winterwindmuster, die die Ozeanzirkulation veränderten und arktisches Süßwasser in andere Becken umlenkten. Das Ereignis lässt sich deshalb nicht einfach als direkter Beweis eines menschengemachten AMOC-Kollapses verkaufen.

Damit berührt die Sendung ein bekanntes Problem der Klimadebatte: Einzelne auffällige Messwerte werden öffentlich schnell zur Bestätigung eines großen Katastrophenszenarios erklärt, während Korrekturen, natürliche Schwankungen und konkurrierende Ursachen kaum dieselbe Aufmerksamkeit erhalten. F-NEWS zeigte bereits, wie aus Datenrauschen eine Klimakatastrophe konstruiert werden kann. Auch der Streit um gekippte Kipppunkt-Szenarien wurde im Beitrag „IPCC kassiert Horror-Szenario“ ausführlich behandelt.

Das EIKE-Video beweist seinerseits nicht, dass eine künftige starke Abschwächung der AMOC ausgeschlossen wäre. Es zeigt aber nachvollziehbar, dass der aktuelle Forschungsstand weniger eindeutig ist, als der öffentliche Alarmton vermuten lässt. Wer mit einem drohenden Zusammenbruch Politik, Medien und Bevölkerung unter Druck setzt, muss offenlegen, wo Messdaten enden und Modellannahmen beginnen.

Beim Golfstrom geht es um ein komplexes System aus Salzgehalt, Temperatur, Wind, atmosphärischer Zirkulation und langfristigen Schwankungen. Genau deshalb sind zugespitzte Gewissheiten fehl am Platz. Wissenschaft lebt von Unsicherheit und Widerspruch. Wird aus einer umstrittenen Hypothese eine politische Gewissheit, ist nicht das Klima gerettet, sondern die Debatte abgewürgt.

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