Das Auto wird zum Spitzel: BND und Verfassungsschutz greifen nach Fahrzeugdaten

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Das Auto war einmal ein privater Raum auf vier Rädern. Mit dem vernetzten Fahrzeug ist daraus ein rollender Datenspeicher geworden. Nun will die Bundesregierung auch BND und Verfassungsschutz den Zugriff erleichtern. Deutschlands liebstes Kind soll damit zum nächsten Baustein staatlicher Überwachung werden.

F-NEWS berichtete bereits über die vom Kabinett beschlossene Reform, die den Geheimdiensten weitreichende Hacking- und Sabotagebefugnisse verschaffen soll. Wie Golem unter Berufung auf den 732 Seiten starken Gesetzentwurf berichtet, betrifft der Machtzuwachs auch Daten vernetzter Fahrzeuge. Öffentliche und nichtöffentliche Stellen sollen umfassender zur Auskunft und Datenübermittlung an die Dienste verpflichtet werden können. Dazu zählen dem Bericht zufolge auch Anbieter rund um das vernetzte Auto.

Das bedeutet nicht, dass BND und Verfassungsschutz schon morgen jedes Fahrzeug dauerhaft live verfolgen. Der Entwurf schafft jedoch die rechtliche Grundlage, vorhandene Fahrzeugdaten für nachrichtendienstliche Zwecke anzufordern. Und moderne Autos produzieren davon reichlich: Standort- und Bewegungsdaten, Fahrzeugkennungen, Diagnosewerte, Lade- und Tankvorgänge, Kontodaten verknüpfter Dienste sowie Informationen aus Navigation, Sprachsteuerung und Smartphone-Kopplung. Welche Daten tatsächlich verfügbar sind, hängt vom Hersteller, Modell und gebuchten Dienst ab.

Damit wird das Auto zu einem Überwachungsgerät, das der Besitzer selbst bezahlt. Ein Bewegungsprofil verrät, wo jemand wohnt, arbeitet, einkauft, wen er besucht und an welchen politischen, religiösen oder privaten Orten er sich aufhält. Aus einzelnen Fahrten kann ein vollständiges Bild des Alltags entstehen. F-NEWS hat die wachsende Sammlung solcher Daten bereits im Beitrag über das Datenleck auf vier Rädern beschrieben.

Zusätzlich sollen Behörden und Unternehmen Erkenntnisse über Sicherheitslücken an die Nachrichtendienste weitergeben. Das ist heikel. Eine Schwachstelle kann geschlossen und damit unschädlich gemacht werden. Sie kann aber auch geheim gehalten werden, um später selbst in ein System einzudringen. Gerade bei Fahrzeugen geht es dabei nicht nur um Datenschutz. Vernetzte Steuergeräte können sicherheitsrelevante Funktionen berühren. Was als Werkzeug für den Geheimdienst gedacht ist, bleibt zugleich eine offene Tür, die auch Kriminelle oder fremde Dienste suchen.

Wie kann man sich schützen? Zunächst sollten Besitzer sämtliche Datenschutz- und Telematikeinstellungen ihres Fahrzeugs prüfen. Nicht benötigte Online-Dienste, Standortverläufe, personalisierte Werbung, Sprachassistenten und die Übermittlung von Nutzungsdaten lassen sich bei vielen Modellen abschalten. Herstellerkonten und Fahrzeug-Apps sollte nur nutzen, wer ihre Funktionen wirklich benötigt. Vor Verkauf oder Werkstattbesuch gehören gespeicherte Ziele, Telefonbücher, Nachrichten und gekoppelte Geräte gelöscht. Das Smartphone sollte nicht automatisch jeden Kontakt, Kalender und jede Nachricht an das Fahrzeug übertragen.

Vollständigen Schutz bieten diese Einstellungen nicht. Ein fest eingebautes Mobilfunkmodul kann weiter mit dem Hersteller kommunizieren, und das gesetzlich vorgeschriebene eCall-System lässt sich nicht ohne Weiteres entfernen. Wer maximale Datensparsamkeit will, muss deshalb schon beim Kauf fragen, ob das Auto ohne Herstellerkonto nutzbar ist, welche Daten gespeichert werden und ob Online-Funktionen dauerhaft deaktiviert werden können. Eine unabhängige Werkstatt kann technisch prüfen, welche Funkmodule vorhanden sind. Eigenmächtiges Abklemmen kann jedoch Zulassung, Garantie oder wichtige Sicherheitsfunktionen beeinträchtigen.

Bleibt also nur der Oldtimer ohne Elektronik? Ein älteres Fahrzeug ohne Mobilfunkmodem, Cloudkonto und ständig aktive Ortung reduziert die Datenspur tatsächlich drastisch. Unsichtbar wird man damit trotzdem nicht. Kennzeichenerfassung, Straßenkameras, Mautsysteme und vor allem das mitgeführte Smartphone können weiterhin Bewegungen verraten. Der Oldtimer ist keine Tarnkappe. Er ist nur eines der letzten Autos, das nicht schon ab Werk als Spitzel mitfährt.

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