Die Ermittlungen nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day führen zu einem weiteren Mobiltelefon. Wie t-online berichtet, untersuchen die Behörden ein Zweithandy des mutmaßlichen Attentäters Abdul Ballout. Das Gerät könnte zeigen, mit wem der 21-Jährige vor der Tat Kontakt hatte und ob er tatsächlich allein handelte.
Ballout soll am 25. Juli einen weißen Kleintransporter in die Menschenmenge am Berliner CSD gesteuert und anschließend mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden verletzt. Nach einer stundenlangen Fahndung wurde der Tatverdächtige in einer Spandauer Kleingartenanlage von der Polizei erschossen. F-NEWS berichtete bereits über den Zugriff und den Tod des mutmaßlichen Attentäters.
Auf einem bereits ausgewerteten Handy fanden die Ermittler Medienberichten zufolge ein Bekennervideo mit einem Treueschwur auf die Terrororganisation „Islamischer Staat“. Das nun untersuchte zweite Gerät ist deshalb besonders brisant. Kontakte, Standortdaten und Nachrichten könnten den zeitlichen Ablauf vor dem Anschlag rekonstruieren. Sie könnten auch klären, ob jemand von den Plänen wusste, bei der Vorbereitung half oder nach der Tat Unterstützung leistete.
Hinweise auf mögliche Mitwisser gab es schon kurz nach dem Anschlag. Ein Kleingartenvereinsvorsitzender sagte gegenüber t-online, er habe auf der Parzelle einige Stunden vor dem Polizeizugriff noch eine zweite Person gesehen. Zudem wurde nach Medienberichten ein iranischer Staatsbürger vorläufig festgenommen und überprüft. Der Verdacht gegen ihn hatte sich zunächst nicht erhärtet. Auch die Annahme, er habe im Tatfahrzeug gesessen, bestätigte sich bislang nicht.
Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage nach möglichen Helfern. Ballout war den Sicherheitsbehörden seit Jahren als Gewalttäter und Islamist bekannt, hatte versucht, nach Syrien zum IS auszureisen, und war erst wenige Wochen vor der Tat zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Zeitweise wurde er überwacht. Dennoch blieb der konkrete Anschlagsplan offenbar unentdeckt.
Gerade deshalb greift die politische Antwort zu kurz, wenn nach jeder Tat reflexhaft neue Überwachungsgesetze verlangt werden. F-NEWS hat bereits dargestellt, wie der CSD-Anschlag für Forderungen nach mehr Polizeistaat instrumentalisiert wird. In diesem Fall fehlten dem Staat nicht die Daten über den Gefährder. Entscheidend ist, warum die vorhandenen Erkenntnisse nicht genügten, um ihn zu stoppen.
Das Zweithandy kann nun Aufschluss darüber geben, ob hinter Ballout mehr stand als ein bekannter Einzeltäter. Bis zur Auswertung bleibt ein Komplize ein Verdacht, keine erwiesene Tatsache. Nach den Beobachtungen in der Kleingartenanlage und den offenen Fragen zum Tatablauf wäre es jedoch fahrlässig, diese Spur kleinzureden.








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