Bei Coldcard ist ausgerechnet der wichtigste Schutz eines Bitcoin-Wallets ausgefallen: Der geheime Zugangscode wurde bei manchen Geräten nicht zufällig genug erzeugt. Dadurch können Angreifer mögliche Codes schneller durchprobieren und im schlimmsten Fall die Bitcoin stehlen.
Man kann sich das wie einen Tresor vorstellen. Normalerweise besitzt er eine Kombination aus einem nahezu unerschöpflichen Zahlenraum. Durch den Coldcard-Fehler stammt die Kombination jedoch aus einer viel kleineren Auswahl. Der Tresor bleibt äußerlich verschlossen, aber ein Angreifer muss erheblich weniger Möglichkeiten testen.
Betroffen sind nach dem Sicherheitshinweis des Herstellers Coinkite Coldcard Mk2 und Mk3 mit den Firmware-Versionen 4.0.1 bis einschließlich 4.1.9. Der Fehler reicht bis März 2021 zurück. Inzwischen wurde die Warnung auf ältere Softwarestände der Modelle Mk4, Mk5 und Q ausgeweitet. TAPSIGNER, OPENDIME und SATSCARD sollen nicht betroffen sein.
Die Geräte gelten als besonders sicher, weil sie Transaktionen ohne direkte Internetverbindung unterschreiben können. Das hilft in diesem Fall jedoch nicht. Wenn der geheime Ausgangscode schon bei der Einrichtung zu leicht berechenbar war, muss ein Angreifer weder das Gerät besitzen noch in die Wohnung seines Opfers einbrechen.
Die Ursache liegt offenbar in der Software, die den Zufall für neue Wallets erzeugen sollte. Nach einem Umbau griff sie nicht richtig auf die vorgesehene sichere Zufallsquelle zu. Stattdessen konnte ein schwächeres Ersatzverfahren verwendet werden. Bei neueren Geräten kam zusätzlicher Zufall aus Sicherheitschips hinzu, nach Ansicht unabhängiger Fachleute aber nicht in ausreichender Stärke.
Coinkite und die Sicherheitsforscher von Block bewerten das genaue Ausmaß unterschiedlich. Beide kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass betroffene Nutzer einen neuen geheimen Zugang – den sogenannten Seed – anlegen und ihre Bitcoin dorthin übertragen sollten.
In der Bitcoin-Community werden Abbuchungen aus mehr als 500 Wallets und Verluste von insgesamt mehr als 1.100 Bitcoin mit der Lücke in Verbindung gebracht. Einzelne Nutzer berichten von geleerten Coldcard-Wallets. Bislang ist aber nicht abschließend bewiesen, dass sämtliche genannten Transfers durch genau diesen Fehler verursacht wurden. Coinkite untersucht den Vorfall weiter.
Wichtig: Ein einfaches Firmware-Update löst das Problem bei einem bestehenden Wallet nicht. Das Update verhindert nur, dass weiterhin unsichere Zugangscodes erzeugt werden. Ein bereits angelegter Seed bleibt gefährdet.
- Zuerst die passende korrigierte Firmware ausschließlich von der offiziellen Coldcard-Seite installieren.
- Danach ein vollständig neues Wallet mit neuem Seed anlegen.
- Den neuen Seed auf Papier oder Metall sichern und sorgfältig kontrollieren.
- Die neue Empfangsadresse direkt auf dem Display des Geräts prüfen.
- Zunächst nur einen kleinen Testbetrag übertragen.
- Erst nach erfolgreicher Bestätigung die restlichen Bitcoin verschieben.
Als korrigiert gelten Mk2 und Mk3 ab Version 4.2.0, Mk4 und Mk5 ab 5.6.0 sowie Q ab 1.5.0Q. Für die gesonderten Edge-Versionen gelten 6.6.0X beziehungsweise 6.6.0QX. Nutzer sollten die genaue Modell- und Versionsnummer auf dem Gerät kontrollieren.
Eine Ausnahme nennt der Hersteller für Wallets, deren Besitzer bei der Einrichtung mindestens 50 faire und geheim gehaltene Würfelwürfe hinzugefügt haben. Wer weniger würfelte oder sich nicht mehr sicher ist, sollte sicherheitshalber wechseln. Auch eine starke und nur für dieses Wallet verwendete Zusatz-Passphrase erschwert einen Angriff. Gemeint ist nicht die Geräte-PIN. Der Hersteller empfiehlt trotzdem auch diesen Nutzern den Umzug auf einen neu erzeugten Seed.
Der Fall zeigt die Grenze der Selbstverwahrung. „Not your keys, not your coins“ bleibt richtig. Doch auch ein selbst verwahrter Schlüssel ist nur so sicher wie das Gerät, das ihn erzeugt. Unser Beitrag „Krypto für Anfänger: ETF, App oder DeFi ohne teure Fehler“ erklärt die Unterschiede zwischen eigenem Wallet und Verwahrung bei einem Anbieter. Weitere Grundlagen finden Sie unter „Krypto als Krisenvorsorge: Was Bitcoin kann und wann nur Bargeld hilft“.
Für den allgemeinen Schutz von Bitcoin und Wallets rät Coinzeitung: „Seed niemals digital speichern.“ Die Wiederherstellungswörter gehören nicht aufs Handy, nicht in die Cloud, nicht in Messenger oder E-Mails und niemals auf eine Webseite. Hardware-Wallets sollten direkt beim Hersteller oder bei einem autorisierten Händler gekauft werden. Größere Bestände sollten nicht dauerhaft auf Börsen liegen. Coinzeitung empfiehlt außerdem getrennte Wallets für langfristige Bestände und riskantere Anwendungen sowie vor größeren Überweisungen stets einen kleinen Testbetrag. Für betroffene Coldcard-Nutzer gilt zusätzlich: Firmware aktualisieren, neuen Seed anlegen und die Bitcoin sorgfältig auf das neue Wallet übertragen.








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