Die Meldung, fast alle Migranten seien nach dem Massenansturm aus Ceuta wieder nach Marokko zurückgekehrt, erweist sich als zu früh. Aktuelle Aufnahmen und Behördenangaben zeigen: In der spanischen Exklave halten sich weiterhin zahlreiche Migranten auf. Viele warten auf eine Möglichkeit, das spanische Festland und damit den europäischen Kontinent zu erreichen.
Die Junge Freiheit zeigt in einem am Montagvormittag veröffentlichten Video Gruppen, die unter freiem Himmel in Ceuta ausharren. Reporter Hinrich Rohbohm berichtet vor Ort, die Menschen hofften auf eine Weiterfahrt zum Festland. Der X-Beitrag ist hier vollständig eingebunden:
Auch Nius und Tichys Einblick berichten über Migranten, die noch immer in der Stadt sind. In sozialen Netzwerken verbreitete Videos sollen größere Gruppen zeigen, die mit „Allahu akbar“-Rufen durch Straßen ziehen. Andere Aufnahmen zeigen Männer, die offen von einer Weiterreise nach Europa sprechen oder versuchen wollen, Ceuta auf dem Seeweg zu verlassen. Ort, Aufnahmezeit und Zusammenhang jedes einzelnen Videos lassen sich nicht unabhängig bestätigen. Dass weiterhin zahlreiche Migranten in Ceuta leben und auf eine Weiterreise hoffen, ist dagegen durch aktuelle Berichte und offizielle Zahlen belegt.
Besonders deutlich ist die Lage bei den Minderjährigen. Nach Angaben der Stadt werden derzeit 862 unbegleitete Minderjährige versorgt. Die Behörden rechnen damit, dass ihre Zahl auf mehr als 1.000 steigen könnte, weil sich weitere Jugendliche noch auf der Straße oder bei Bekannten aufhalten. Für Minderjährige besitzt Ceuta regulär nur 29 Aufnahmeplätze. Das System ist damit um ein Vielfaches überbelegt. Zwei weitere Gebäude sollen notdürftig hergerichtet werden.
El País berichtet, in den vergangenen Tagen seien keine außerordentlichen Überstellungen Minderjähriger auf das spanische Festland erfolgt. Diese sollen nun aber beantragt werden. Seit dem vergangenen Jahr hat Ceuta bereits 655 Minderjährige in andere Teile Spaniens überstellt. Genau darin liegt für viele Ankommende der entscheidende Schritt: Wer das Festland erreicht, befindet sich mitten im europäischen Verkehrsraum.
Für Erwachsene gilt die Weiterreise nicht automatisch. Sie müssen registriert werden, und ihr Aufenthaltsstatus ist zu klären. In der Praxis bleibt die Lage jedoch schwer überschaubar. Nicht alle Menschen befinden sich in Einrichtungen, manche schlafen im Freien oder bewegen sich durch die Stadt. Gleichzeitig versuchen die Behörden, Straßen und sensible Bereiche mit provisorischen Sperren zu sichern und Gruppen von öffentlichen Plätzen zu verdrängen.
Spanien hat weiterhin Tausende Polizisten, Angehörige der Guardia Civil und Soldaten in Ceuta im Einsatz. Dennoch ist die von Madrid ausgerufene Normalität nur teilweise zurückgekehrt. Aufnahmeplätze fehlen, Minderjährige sollen aufs Festland verteilt werden und Erwachsene suchen nach Wegen, ihre Reise fortzusetzen. Die Grenze wurde zwar wieder geschlossen, die Folgen des Ansturms sind damit aber nicht verschwunden.
Zudem prüft Spaniens Nationaler Gerichtshof inzwischen, ob der massenhafte Grenzübertritt eine abgestimmte oder von einer kriminellen Organisation gelenkte Aktion gewesen sein könnte. Die zuständige Richterin hat dazu einen Polizeibericht über die Ereignisse vom 30. und 31. Juli angefordert. Marokko spricht dagegen von Falschinformationen und Schleuseraktivitäten, die Zehntausende Menschen in Bewegung gesetzt hätten.
F-News hatte bereits über die Behauptung berichtet, fast alle Migranten seien nach Marokko zurückgekehrt. Die neuen Bilder und Zahlen zeigen nun, dass ein erheblicher Rest in Ceuta geblieben ist. Zuvor hatte Spanien nach dem Grenzkollaps das Militär entsandt; Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni brachte deshalb sogar Konsequenzen für Spanien im Schengenraum ins Spiel.
Ceuta ist damit nicht zur Normalität zurückgekehrt. Die große Masse mag die Exklave wieder verlassen haben. Zurück bleiben überfüllte Einrichtungen, Menschen auf den Straßen und der offene Wunsch vieler Migranten, von der nordafrikanischen Exklave aus weiter in die EU zu gelangen.








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