Blutfarmen auf Island: Wo schwangere Pferdestuten Hormone für Schweinefleisch produzieren müssen

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Trächtige Stuten, wöchentlich fixiert, bis zu zehn Liter Blut abgezapft – Woche für Woche, drei Monate lang. Was klingt wie Tierquälerei im Verborgenen, ist gängige Praxis der industriellen Schweinezucht. Wie Infosperber berichtet, steckt dahinter ein lukrativer Handel mit dem Hormon PMSG – Pregnant Mare Serum Gonadotropin –, das aus dem Blut trächtiger Pferdestuten gewonnen wird und Schweinen zu mehr Ferkeln, schnellerer Trächtigkeit und höherem Fleischzuwachs verhilft.

Das Hormon ist in der Schweinezucht ein Steuerungsinstrument: Sauen werden damit synchronisiert, damit Befruchtung, Geburt und Schlachtung taktgenau im Gleichtakt ablaufen. PMSG steigert die Wurfgröße, beschleunigt die Geschlechtsreife weiblicher Ferkel und macht Zucht planbar wie ein Fließband. Das spart Kosten – und drückt den Fleischpreis für Konsumentinnen und Konsumenten. Den Preis zahlen die Tiere.

Das sogenannte „Rote Gold“ ist wörtlich gemeint: Ein Gramm PMSG kostet rund 11.000 Franken – etwa das 200-fache des aktuellen Goldpreises. Das treibt eine globale Industrie an, die auf dem Rücken von Zuchtstuten errichtet wurde. Bis 2015 lieferten vor allem argentinische und uruguayische „Blutfarmen“ den Rohstoff. Tierschutzorganisationen wie die Animal Welfare Foundation dokumentierten dort systematische Unterernährung der Stuten – magere Tiere produzieren mehr PMSG –, Zwangsabtreibungen der Fohlen und massenhafte Schlachtung der Neugeborenen. Der öffentliche Druck zwang Pharmaunternehmen zum Rückzug. Das Problem verschwand nicht. Es zog um.

Island ist heute das Zentrum der PMSG-Produktion. 119 Blutfarmen mit über 5.300 Stuten sollen es derzeit sein – und die Branche plant die Ausweitung auf über 20.000 Tiere, ein Drittel des gesamten isländischen Pferdebestands. Die Tierethikerin Judith Benz-Schwarzburg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien bringt es auf den Punkt: Island vermarktet sich mit dem Bild idyllischer Islandpferde in freier Natur – was auf Blutfarmen passiert, passt nicht in dieses Bild.

Seit 2023 gilt die regelmäßige Blutentnahme zur PMSG-Gewinnung in der EU als Tierversuch und bedarf einer Projektbewertung. Island, als Teil der europäischen Freihandelszone, steht unter Druck, die entsprechende EU-Richtlinie umzusetzen. Die Animal Welfare Foundation macht Druck für ein vollständiges Verbot. Doch selbst wenn Island nachgibt, steht das nächste Kapitel schon bereit: Die südamerikanischen Länder warten mit laschen Vorschriften und undurchsichtigen Lieferketten.

In der Schweiz haben der Bauernverband und Suisseporcs 2022 freiwillig auf PMSG verzichtet – etwa 95 Prozent der Betriebe halten sich daran. Ein gesetzliches Verbot lehnte der Bundesrat bisher ab; eine Motion der Grünen-Nationalrätin Meret Schneider wartet noch auf die Behandlung im Nationalrat. Und selbst ein Schweizer Verzicht ist lückenhaft: In der EU ist PMSG zugelassen, Importfleisch – Parmaschinken, Schweineschnitzel – kommt von Tieren, die damit behandelt wurden.

Das Doppelte Tierleid bleibt das Kernproblem: Auf der einen Seite die Pferdestuten auf Blutfarmen, auf der anderen Seite Muttersauen, die durch PMSG so viele Ferkel werfen, dass ein Teil verhungert oder direkt nach der Geburt getötet wird – weil die Anzahl der Zitzen schlicht nicht reicht.

Solange billiges Fleisch Systemziel bleibt, wird das Hormon gefragt bleiben. Die Produktion verlagert sich, die Lieferketten werden länger und undurchsichtiger, die Kontrolle bleibt auf der Strecke. Was sich ändert, ist der Drehort – nicht das Drehbuch.


Quellen:

  1. Infosperber – Blutstuten leiden für die Schweinezucht
  2. Animal Welfare Foundation – PMSG-Produktion in Südamerika
  3. Animal Welfare Foundation – Stopp für Qualhormon PMSG
Quelle des Wissens quelle-des-wissens.de
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