An einer Volksschule im niederösterreichischen Guntersdorf sorgte ein Besuch des Vereins gegen Tierfabriken für erheblichen Aufruhr – berichtet die Kronen Zeitung. Sechs- bis Zehnjährige sahen sich rund eineinhalb Stunden lang Bilder und Botschaften ausgesetzt, die laut Eltern und Bürgermeister Roland Weber deutlich zu weit gegangen sind. Einige Kinder essen seither kein Fleisch mehr, andere reagierten verstört.
Weber, selbst Landwirt, organisierte als Gegenprogramm einen Ausflug zu einem Schweinebetrieb im Nachbarort – mit ausdrücklichem Hinweis, dass die Tiere dort am Ende zu Schnitzeln werden. Das ist zumindest konsequent ehrlich. Die Bildungsdirektion prüft den Vorfall nun und stellt in Aussicht, den Vortrag für diese Altersgruppe zu untersagen, sollte er nicht altersadäquat gewesen sein.
Soweit, so verständlich. Niemand muss sechsjährige Kinder mit blutverschmierten Tierbildern konfrontieren, um einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Pädagogik bedeutet, komplexe Realitäten so aufzubereiten, dass sie dem Entwicklungsstand entsprechen – nicht, Schuldgefühle als Erziehungsmittel einzusetzen. Wer Kindern sagt, sie seien mitschuldig am Tierleid, weil ihre Eltern Fleisch kaufen, betreibt keine Aufklärung, sondern emotionale Manipulation.
Und doch: Ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn die Massentierhaltung, wie sie in Österreich und den meisten EU-Staaten – trotz vergleichsweise strenger Gesetze – weitgehend praktiziert wird, ist tatsächlich brutal. Enge Buchten, kaum Tageslicht, Tiere die nie Gras unter den Hufen hatten. Das alles ist legal. Das alles passiert täglich millionenfach. Wer das ausblendet, weil es unangenehm ist, betreibt ebenfalls eine Form von Täuschung – nur eine gesellschaftlich akzeptiertere.
Hinzu kommt ein Grundfaktum, das gerne unter den Tisch fällt: Fleisch essen bedeutet, dass Tiere getötet werden. Das ist keine Extremposition der Tierrechtsbewegung, sondern schlichter Sachverhalt. Wer Schnitzel will, muss das Schwein im Kopf mitdenken. Bürgermeister Webers Ausflug zum Schweinestall mit ehrlichem Hinweis auf das Ende der Tiere ist in dieser Hinsicht sogar ehrlicher als die meisten Supermarktverpackungen mit Wiesenmotiven und Glücksschwein-Logo.



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