Bitcoin als Basisgeld: So soll die neue Kreditschicht funktionieren

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Bitcoin gilt seinen Anhängern als hartes Geld ohne Zentralbank. Doch reicht ein Vermögenswert mit fest begrenzter Menge auch als Grundlage eines vollständigen Geldsystems? Genau darüber spricht der Ökonom Prof. Christian Rieck in einem neuen, mehr als zweistündigen Gespräch mit „Hubertus the Austrian“. Im Mittelpunkt steht die These: Bitcoin könnte das Basisgeld liefern, benötigt für den Alltag und die Wirtschaft aber eine zusätzliche Kreditschicht.

Der Ausgangspunkt ist ein bekanntes Problem. Bitcoin ist knapp und unabhängig von staatlicher Geldschöpfung, sein Kurs schwankt jedoch stark. Zudem kann eine starre Geldmenge nicht automatisch auf wachsende Handels- und Kreditbedürfnisse reagieren. Das im Video vorgestellte Bitcredit Protocol will deshalb eine Art digitales Kreditgeld auf Bitcoin-Basis schaffen.

Unternehmen sollen elektronische Wechsel ausstellen können, wenn Waren bereits geliefert oder Dienstleistungen erbracht wurden. Diese Forderungen werden in Bitcoin beziffert. Spezielle, miteinander konkurrierende Ausgabestellen sollen geeignete Wechsel anschließend in teilbare digitale Zahlungseinheiten umwandeln. Bei Fälligkeit sollen diese Einheiten im Verhältnis eins zu eins in Bitcoin eingelöst werden. Bitcoin bliebe damit das Basisgeld, während Bitcredit die beweglichere Zahlungsschicht darüber bilden soll.

Nach Darstellung der Entwickler soll die Menge dieses Kreditgeldes nicht durch eine Zentralbank, sondern durch reale Geschäfte begrenzt werden. Rechnung, Lieferung und Unterschriften der beteiligten Unternehmen sollen belegen, dass hinter einem Wechsel tatsächlich eine wirtschaftliche Leistung steht. Das Projekt verspricht damit eine dezentrale Geldschöpfung, die sich am Warenverkehr orientiert und nicht an politischen Beschlüssen. Technisch setzt es nach eigenen Angaben unter anderem auf Bitcoin, Nostr und Cashu.

Der Ansatz ist ein Gegenmodell zum digitalen Zentralbankgeld. Während beim geplanten digitalen Euro eine zentrale Institution die Infrastruktur kontrolliert, soll Bitcredit quelloffen, dezentral und ohne Bankkonto funktionieren. F-News hat die Risiken staatlich steuerbarer Zahlungssysteme bereits im Dossier „Bargeld, digitaler Euro und Kontrollgeld“ zusammengefasst. Auch die Testphase der Europäischen Zentralbank mit ausgewählten Banken zeigt, wie weit das konkurrierende staatliche Projekt bereits fortgeschritten ist.

Allerdings ist Bitcredit noch kein bewährtes Geldsystem. Die öffentlich angebotene Software befindet sich in einer frühen Entwicklungsphase. Die Projektseite warnt selbst davor, die Hauptnetz-Version nur zu Testzwecken und mit kleinsten Bitcoin-Beträgen einzusetzen. Ob das Modell Zahlungsausfälle, betrügerische Rechnungen, rechtliche Konflikte und Krisen großer Ausgabestellen tatsächlich verkraftet, muss sich erst zeigen. Auch die behauptete Stabilisierung der Bitcoin-Kaufkraft ist bislang eine Theorie, kein belegtes Marktergebnis.

Das Gespräch stellt damit die entscheidende Frage hinter dem Bitcoin-Kursfeuerwerk: Wer schafft den Wert, und wie könnte aus knappem digitalem Basisgeld ein brauchbares Geldsystem für Handel und Alltag entstehen? Bitcredit liefert darauf einen technisch und wirtschaftlich ambitionierten Vorschlag. Ob daraus eine echte Alternative zum Bankensystem wird, entscheidet jedoch nicht die Theorie, sondern der Praxistest.

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