15. August – Tag der Schande: Fünf Jahre Taliban-Herrschaft

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Am 15. August jährt sich zum fünften Mal die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Ein Bündnis afghanischer und österreichischer Organisationen nimmt diesen Jahrestag zum Anlass, vor der schleichenden Normalisierung des Regimes zu warnen. Der Fall Kabuls im Jahr 2021 war nicht nur eine militärische Niederlage des Westens. Für Millionen Frauen und Mädchen begann damit ein unerträglicher Tag der Schande, dessen Folgen bis heute jeden Alltag bestimmen.

Nach Darstellung des Bündnisses droht die inzwischen ausgeweitete „technische Zusammenarbeit“ mit den Taliban in politische Legitimierung und faktische Anerkennung umzuschlagen. Österreich und die EU dürften Repression nicht mit diplomatischen Zugeständnissen belohnen. Humanitäre Hilfe müsse den Menschen zugutekommen, ohne den Taliban den internationalen Status zu verschaffen, den sie seit ihrer gewaltsamen Rückkehr an die Macht suchen.

Die Bilanz nach fünf Jahren ist verheerend. Mädchen dürfen weiterhin keine weiterführenden Schulen besuchen, Frauen sind von Universitäten und weiten Teilen des Arbeitslebens ausgeschlossen. Bewegungsfreiheit, medizinische Versorgung und Zugang zum öffentlichen Leben wurden immer weiter eingeschränkt. UN Women stellte bereits zum vierten Jahrestag fest, dass keine einzige der gegen Frauen und Mädchen gerichteten Verfügungen zurückgenommen worden sei. Fast 80 Prozent der jungen Frauen befanden sich demnach weder in Ausbildung noch in Beschäftigung.

Die aktuelle Pressemitteilung spricht von einem institutionalisierten System der Geschlechtertrennung und verweist auf Erhebungen, nach denen 82 Prozent der Frauen über eine schlechte oder sich verschlechternde psychische Verfassung berichten. Besonders schwer wiegt die Zerstörung der Zukunft: Wenn Frauen weder Medizin studieren noch als Fachkräfte ausgebildet werden dürfen, fehlen schon bald Ärztinnen und Pflegekräfte in einem Land, in dem Frauen vielerorts nicht von Männern behandelt werden können.

Erst im Mai 2026 warnte die UN-Mission in Afghanistan vor einem neuen Scheidungsdekret. Männer behalten danach ein einseitiges Scheidungsrecht, während Frauen komplizierte und enge gerichtliche Wege beschreiten müssen. Das Regelwerk behandelt zudem ausdrücklich verheiratete Mädchen und lässt unter bestimmten Umständen Schweigen als Zustimmung zur Ehe gelten. Damit wird nicht nur die Entrechtung der Frau fortgeschrieben, sondern auch die Kinderehe rechtlich weiter verankert.

Das Bündnis warnt zugleich vor weiterbestehenden Terrornetzwerken und einer Destabilisierung der Region. Der EU-Rat hält selbst fest, dass die Taliban weder willens noch fähig seien, die Präsenz terroristischer Gruppen auf afghanischem Boden wirksam zu bekämpfen. Dennoch verhandelt Europa längst wieder mit dem Regime. F-NEWS berichtete bereits über die Gespräche der EU mit den Taliban über Migration. Genau darin liegt die Gefahr: Aus angeblich pragmatischen Kontakten wird Schritt für Schritt politische Gewöhnung.

Wie tief die islamistische Sittenherrschaft in den Alltag eingreift, zeigte zuletzt auch der Taliban-Feldzug gegen angeblich zu kurze Bärte. Was bei Männern als groteske Bevormundung erscheint, bedeutet für Frauen und Mädchen den nahezu vollständigen Ausschluss aus Öffentlichkeit, Bildung und selbstbestimmtem Leben.

Die Unterzeichner fordern deshalb eine europäische Afghanistan-Politik, die Hilfe für die Bevölkerung klar von der Aufwertung der Taliban trennt, gezielte Sanktionen gegen Funktionäre beibehält und afghanische Frauen, Bürgerrechtler, demokratische Kräfte und die Diaspora direkt einbezieht. Der 15. August darf nicht zum Jahrestag werden, an dem Europa routiniert seine Betroffenheit erklärt und am nächsten Tag wieder mit den Unterdrückern verhandelt. Solange Mädchen vor verschlossenen Schulen stehen, bleibt dieser Tag eine Schande.

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