Kaum eine Kryptowährung lebt so stark von der Bankenstory wie XRP. Jede neue Ripple-Partnerschaft wird in sozialen Netzwerken zum Vorboten der großen Übernahme erklärt: Banken nutzen Ripple, also müssten sie bald massenhaft XRP kaufen. Der Kurs werde zwangsläufig explodieren. Die Realität ist weniger bequem.
Wie die Coinzeitung ausführlich darlegt, muss zwischen drei Dingen getrennt werden: Ripple ist ein Unternehmen, der XRP Ledger ist ein Netzwerk und XRP ist dessen eigener Token. Eine Bank kann Ripple-Software kaufen, Stablecoins über den Ledger verschieben oder Kryptowerte verwahren, ohne dafür nennenswerte XRP-Bestände zu benötigen.
Ripple hat im Bankgeschäft trotzdem mehr erreicht als die meisten Kryptoprojekte. Das Unternehmen bietet Zahlungsinfrastruktur, Verwahrung, Prime Brokerage, Tokenisierung und mit RLUSD einen eigenen Dollar-Stablecoin. Nach Ripple-Angaben wurden über das Zahlungsnetz bislang mehr als 95 Milliarden Dollar abgewickelt. Das ist kein Telegram-Märchen, sondern ein reales institutionelles Geschäft.
Doch genau dieses Geschäft kann XRP umgehen. Die Schweizer AMINA Bank nutzt Ripple Payments ausdrücklich für Stablecoin-Zahlungen, darunter RLUSD. Dollar werden als digitale Dollar übertragen. XRP wird dabei allenfalls für winzige Netzwerkgebühren gebraucht, nicht als Brückenwährung für den gesamten Betrag.
Dasselbe gilt für die Tokenisierung. Der Vermögensverwalter Aviva Investors will Fondsprodukte auf den XRP Ledger bringen. Das stärkt das Netzwerk und Ripples Stellung im Finanzsektor. Werden diese Produkte aber mit RLUSD, anderen Stablecoins oder tokenisierten Bankeinlagen abgerechnet, entsteht daraus keine zwingende XRP-Nachfrage.
Echte XRP-Adoption gibt es dort, wo der Token tatsächlich als Liquiditätsbrücke eingesetzt wird. In bestimmten Zahlungskorridoren kann XRP zwei Währungen innerhalb von Sekunden verbinden und vorfinanzierte Auslandskonten ersetzen. SBI Remit nutzt diese Technik in Asien. Solche laufenden Transaktionen sind mehr wert als hundert Pressemitteilungen über „Blockchain“, „digitale Vermögenswerte“ oder „institutionelle Infrastruktur“.
Die gigantischen Kursmodelle der XRP-Gemeinde bleiben dennoch fragwürdig. Sie rechnen oft das gesamte SWIFT-Volumen oder den weltweiten Zahlungsverkehr auf die vorhandenen Token um. Dabei wird übersehen, dass dieselben XRP innerhalb eines Tages mehrfach verwendet werden können. Eine Milliarde Dollar Zahlungsvolumen verlangt nicht automatisch eine Milliarde Dollar dauerhaft gebundenes XRP-Kapital.
Hinzu kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Für Banken ist ein regulierter Dollar-Stablecoin leichter zu verbuchen als ein schwankender Kryptotoken. Je erfolgreicher RLUSD wird, desto dringender muss XRP beweisen, warum Banken ausgerechnet das Kursrisiko einer Brückenwährung übernehmen sollen. Ripple kann gewinnen, auch wenn XRP-Anleger nur zusehen.
XRP ist deshalb weder wertloser Hype noch die sichere Eintrittskarte in das künftige Weltbankensystem. Der Token besitzt Geschwindigkeit, Liquidität und einen realen Anwendungsfall. Entscheidend ist aber nicht, wie viele Banken mit Ripple am Tisch sitzen. Entscheidend ist, wie viel Zahlungsvolumen ohne XRP nicht funktionieren würde.
Bei der nächsten Partnerschaftsmeldung reicht eine einfache Frage: Wird wirklich XRP verwendet oder nur der Name Ripple verkauft? Solange diese Antwort offenbleibt, ist der Bankenboom vor allem ein Erfolg für das Unternehmen. Die Rechnung für den Token muss separat gemacht werden.







Kommentar verfassen