Wir schreiben Mai 2026. Es ist Pfingsten und das Jahr 11 nach Merkels Grenzputsch. Meine Pfingstrose ist pünktlich mit einer einzigen, zartrosa Blüte erblüht – mehr nicht. Doch das soll mir genügen. Ich fotografiere sie von allen Seiten und sage ihr: „Du bist schön.“
Ja, es ist Pfingsten und ziemlich heiß. So heiß wie die flammend roten Feuerzungen vor 2000 Jahren, denen meine blasse Blüte nichts entgegenzusetzen hat. So stark waren diese Zungen, dass die Jünger mit einem Mal in allen Sprachen reden konnten, in die Welt hinausgingen und die frohe Botschaft der allumfassenden Liebe verkündeten.
Wenn ich mich heute so umsehe, ist es nicht mehr weit her mit der Liebe. Ich würde sagen, sie sieht sogar ziemlich zerzaust aus. Hier in Deutschland, wo die Restdeutschen in der Tagesschau seit kurzem „Nicht-Migranten“ genannt werden, wird die Nächstenliebe bereits seit längerem in umgekehrter Form praktiziert: Das Eigene wird schlecht gemacht, das Fremde überhöht. Die Welt steht auf dem Kopf.
Auch mit dem Krieg und der angeblichen Versöhnung und Vergebung ist das so eine Sache. 81 Jahre ist er schon her. Doch Der Spiegel läßt es sich noch immer nicht nehmen, jeder neuen Generation Schuld aufzuladen. Diesmal hat das Magazin Millionen Mitgliedskarten der NSDAP durchschnüffelt und legt den Ururenkeln der Kriegsgeneration nahe, die Gesinnung ihrer Ahnen zu prüfen: „Finden Sie hier heraus, was Ihre Familie unter Hitler getan hat.“ Vielleicht hat der Ururenkel Glück und sein Vorfahr hatte eine weiße Weste. Vielleicht saß er aber auch zufällig im gleichen Zugabteil wie ein SS-Offizier und atmete dieselbe Luft. Das wäre schlecht. Denn damit hat der Nachfahr der 6. Generation auch 81 Jahre später sein Recht auf Glück verwirkt.
Das Alte Testament spricht von Rache bis ins siebte Glied, ja gar von unendlicher Vergeltung. Jesus aber sprach im Neuen Testament „Nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal“ solle man vergeben. In Deutschland scheint nach wie vor das Alte Testament zu gelten.
Sühne über Sühne, Lüge über Lüge lastet auf uns. Jedes Jahr wird die Bürde schwerer. Wie Fliegen zappeln wir in einem Spinnennetz, während das Gespinst der Lügen sich immer fester um uns spinnt. Langsam, ganz langsam wird uns die Lebenskraft genommen, die Wurzeln gekappt.
Wo bleibt da noch Platz für Liebe? Wo ist sie hin, die Liebe, die doch seit unserer Geburt in uns wohnt? Die unser Auftrag ist in dieser Welt und uns als Gottesfunken zum Leuchten bringt?
Wo kann man sich hinwenden, wenn man die Eltern nicht ehren darf, den Mammon umtanzen und das Fremde verehren soll?
So manchem bleibt nur eins: Das Tier
So manchem bleibt – nach Zerrüttungen in Familien voller zerstörter Herzen – nur eins: Das Tier. Denn irgendwo muss die Liebe doch hin. Also steigt sie herab zum Tier. Zu einer Liebe ohne Anstrengung, ohne Forderungen, ohne Streit und Widerworte. Eine Liebe, die so manche einsamen Menschen Halt geben mag, ihn aber der eigentlichen Aufgabe seines Menschseins beraubt: Miteinander reden, Konflikte aushalten, aufeinander zugehen, Gemeinschaft erleben, zusammen kochen, spazierengehen, lachen und weinen. Und – Kinder zu bekommen – allem zum Trotz.
Ich habe lange gehadert mit der hündischen Tierliebe der Deutschen und mich oft gefragt, wie es sein kann, dass Menschen alles für ihr Tier tun, aber ihr Herz vor dem Leid der Menschen verschließen, die sie tagtäglich sehen.
Vielleicht ist es die eigene innere Not, der Verlust der eigenen Seelenkraft und Identität, die den Deutschen zum Hund treibt. Das mag auch die Erklärung dafür sein, warum sich so viel Liebe und Leidenschaft in einen gestrandeten Buckelwal ergießt, ein Trauermarsch für 150 Opfer der Migrationspolitik die Tierliebhaber jedoch kalt läßt.
Eine Kollegin sagte einmal zu mir: „Warum regst Du Dich auf? Es sind doch im Vergleich zu all dem Elend in der Welt nur eine Handvoll Opfer von einer Handvoll Täter. Du musst Verständnis haben.“
Und unsere toten Mädchen?
Ich will es nicht verstehen und ich frage sie: „Wo sind wir hingekommen in dieser Welt? Was haben wir für unsere Ehre gekämpft. Und das soll es nun gewesen sein? Müssen wir Frauen wieder damit leben, dass die Gesellschaft und Justiz uns dieses Leid auferlegen und die Täter ungeschoren davonkommen? Warum? Und wo ist die Liebe hin?“
Mir kommt der Politiker in den Sinn, der eine Nacht beim Wal verbrachte, um ihm beizustehen. Wie Michael Kyrath, der seine 17-jährige Tochter den offenen Grenzen opfern mußte, kann auch ich mich nicht entsinnen, dass ein Politker die Nacht bei einem Terroropfer verbracht hätte, um ihm Trost zu spenden. Man muß wohl ein Hund oder halbtoter Wal sein, um ein solches Privileg genießen zu dürfen.
Erkenne Deine Macht
Eigentlich hatte ich gedacht, dass mich in diesen irren Zeiten nichts mehr erschüttern kann. Doch dann entdeckte ich vor dem Eisladen meines Vertrauens ein Plakat mit einem glücklichen Hund. Um ihn herum tanzten runde Eisportionen – laktosefrei und ohne Weißzucker. Hundeherz, was willst Du mehr?
Das Hunde- und Katzeneis ist der letzte Schrei, sagt der Verkäufer. Scharenweise kommen die Frauchen, um mit ihren „Fellkindern“ Eis zu essen.
Vielleicht ist die Liebe auf den Hund gekommen. Vielleicht wurde sie als nicht nutzbringend ausrangiert und dümpelt mit den Pfandflaschen, die unsere Alten sammeln, im Müll herum. Das würde auch ihre zerzausten Haare erklären.
Vielleicht angeln wir die Liebe ja eines Tages wieder hervor. Was weiß ich denn schon? Vielleicht müssen erst den Letzten die Hunde beißen. Vielleicht muss uns erst der Strom ausgehen. Vielleicht müssen wir erst lange im Dunkeln sitzen, bevor wir wieder unsere eigene Macht erkennen, den Lügenkokon zertrennen und – endlich – in eine neue Welt entsteigen.
***
Maria Schneider, 24.05.2026, im Jahr 11 nach Merkels Grenzputsch. www.aufderlichtung.ch
Dieser Text darf unverändert mit Verweis auf www.aufderlichtung.ch geteilt werden.






Schreibe einen Kommentar