Vom Schlossparktheater in Berlin-Steglitz bis zu den Wahlkampfbühnen Sachsen-Anhalts ist es offenbar nur ein Katzensprung. Der greise Schauspieler wurde in einen Anzug gesteckt, neben Sven Schulze auf die Bühne gestellt und soll nun die CDU vor dem Untergang retten.
Didi spielt jetzt den Staatsmann
Jahrzehntelang brachte Dieter „Didi“ Hallervorden sein Publikum mit Grimassen, schiefen Blicken und kabarettistischem Unfug zum Lachen. Nun steht er mit 90 Jahren auf den CDU-Bühnen Sachsen-Anhalts und gibt den Mahner der Nation.
Unter dem Motto „Kunst braucht Freiheit“ zieht er mit Sven Schulze durch das Land, wettert gegen die AfD und warnt vor dunklen Zeiten für die Kultur. Gleichzeitig singt er gegen Friedrich Merz und nennt Verteidigungsminister Boris Pistorius einen „Kriegsminister“. Für den Bundeskanzler der CDU möchte Hallervorden keine Reklame machen. Für den CDU-Mann Schulze in Magdeburg steigt er dagegen ins Wahlkampfkarussell. Das Drehbuch könnte selbst ein drittklassiger Komödienautor kaum schräger erfinden.
Die CDU führt Wahlkampf gegen die CDU
Tatsächlich sitzt die CDU Sachsen-Anhalts mit Hallervorden auf einem Pulverfass und erklärt den Zuschauern, es handle sich um eine Sitzheizung.
Die Rechnung dahinter ist durchsichtig. Die Landes-CDU grenzt sich von Berlin ab, fischt nach Protestwählern und hängt sich nebenbei das Schild „Kunstfreiheit“ um den Hals. Dafür hat sie einen 90-jährigen Kabarettisten gebucht, der bereits mit dem Umfeld Sahra Wagenknechts in Berührung kam und juristisch gegen Friedrich Merz vorging.
Während er vor einer AfD-Regierung die Zensur der Kulturlandschaft an die Wand malt, liefert er selbst zuverlässig neues Futter für die Empörungsmaschine. Seine Kunstfreiheit wird nach eigenem Geschmack bewirtschaftet. Wer widerspricht, hat das Stück offenbar nicht verstanden oder sitzt auf dem falschen Dampfer.
Hallervorden darf selbstverständlich sagen, was er denkt. Die CDU darf ihn sogar dafür auf ihre Bühne stellen. Sie sollte sich dann nur nicht wundern, wenn das Publikum nicht mehr erkennt, ob gerade Wahlkampf, Kabarett oder betreutes politisches Wohnen geboten wird.
Der Opa soll es noch einmal richten
Gerade Hallervorden müsste wissen, wie seltsam das wirkt. Wer jahrzehntelang gegen Autoritäten antrat, sieht plötzlich ziemlich angepasst aus, wenn er neben einem CDU-Spitzenpolitiker Wahlkampf macht. Am Ende bleibt ein schiefes Bühnenbild. Der Komödiant predigt Freiheit. Der Politiker hofft auf Stimmen. Das Publikum darf mit klatschen, solange es die richtige Stelle erwischt. Die Pointe kommt vermutlich erst nach der Wahl. Bis dahin steht Didi im Anzug statt im Kostüm auf der Bühne. Und alle Beteiligten hoffen, dass niemand merkt, wie dünn das Stück inzwischen geworden ist.








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