Wer in New York gegen Vermieter, Eigentum und die Reichen wettert, sollte im Idealfall nicht selbst in einer Millionen-Immobilie wohnen, die die eigenen wohlhabenden Eltern gekauft haben. Genau das ist laut einem Bericht der New York Post bei Gustavo Gordillo der Fall, Co-Vorsitzender der New Yorker Democratic Socialists of America (NYC-DSA). Der 38-Jährige lebt in einem knapp 2.000 Quadratfuß großen Reihenhaus im Brooklyner Stadtteil Bed-Stuy mit einem aktuellen Marktwert von 1.457.000 Dollar.
Gekauft wurde das Haus 2019 nicht von Gordillo selbst, sondern von seinen Eltern, über eine eigens dafür gegründete Briefkastenfirma namens Chucuito LLC, für damals knapp unter eine Million Dollar. Der Sozialisten-Funktionär, der öffentlich für höhere Vermögenssteuern und gegen private Immobilienspekulation kämpft, profitiert selbst von genau jenem ererbten Wohlstand, den seine Bewegung eigentlich abschaffen will.
Ans Licht kam der Fall über eine Liste, die ausgerechnet das Büro von New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani veröffentlichte, einem erklärten DSA-Mitglied, dessen Wahlkampf von der NYC-DSA maßgeblich getragen wurde. Die Liste sollte klären, welche New Yorker Immobilien unter die sogenannte Pied-à-terre-Steuer für Zweitwohnsitze Vermögender fallen könnten. Gordillos Haus rutscht knapp unter die Fünf-Millionen-Dollar-Schwelle und bleibt damit steuerfrei. Ausgerechnet jenes Instrument, mit dem seine eigene Bewegung sonst gegen wohlhabende Immobilienbesitzer vorgehen will, greift bei ihm selbst nicht.
Die NYC-DSA gehört zu den einflussreichsten linken Organisationen der USA und hat sich zuletzt vor allem als Speerspitze gegen Vermieter, gegen Gentrifizierung und für schärfere Mietkontrollen profiliert. Viele ihrer führenden Köpfe, auch Gordillo, verfügen über Abschlüsse von Elite-Universitäten und stammen, wie US-Medien inzwischen offen berichten, selbst aus wohlhabenden Verhältnissen. Der Widerspruch zwischen Straßenrhetorik und Wohnadresse ist damit kein Einzelfall, sondern ein Strukturmerkmal einer Bewegung, die sich gerne als Stimme der Habenichtse inszeniert.
Ganz neu ist dieses Muster nicht, auch hierzulande fordert die politische Linke immer offener Enteignungen als Koalitionsbedingung, während anderswo ein Berliner Mietenkataster unter dem Deckmantel des Mieterschutzes vor allem neue Überwachungsmöglichkeiten schafft. Wer Eigentum grundsätzlich verdächtigt, aber selbst mühelos in ererbtem Wohlstand lebt, verwechselt Umverteilung offenbar vor allem mit dem Lebensstil der anderen.
Gordillo hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert. Nötig hätte er es wohl auch nicht, in den eigenen Reihen dürfte ihm ohnehin kaum jemand widersprechen. Am Ende bleibt die immer gleiche Pointe des woken Sozialismus: Umverteilung ja, aber bitte erst, nachdem das eigene Eigenheim gesichert ist.







