Tucker Carlson war lange einer der wichtigsten Verstärker Donald Trumps. Nun ist ausgerechnet dieser Mann zu einer der lautesten Stimmen geworden, die Trump Verrat am eigenen Versprechen vorwerfen. Der Bruch kommt nicht von links, nicht aus CNN-Studios und nicht aus dem demokratischen Parteiapparat. Er kommt aus dem Herzen jener rechten Medienwelt, die Trump 2024 mit zurück ins Weiße Haus getragen hat.
Die Associated Press berichtet, Carlson habe in einem Podcast erklärt, er werde die Republikanische Partei vor den Zwischenwahlen im November nicht mehr unterstützen. Die Demokraten wolle er ebenfalls nicht unterstützen. Er wisse nicht, was er politisch nun tun werde. Für einen Mann, der die Republikaner über Jahrzehnte verteidigt hat, ist das keine Laune, sondern ein Bruchsignal.
Der entscheidende Auslöser ist der Iran-Krieg. Carlson wirft Trump vor, den Kern von „America First“ verraten zu haben. Statt die USA aus fremden Kriegen herauszuhalten, habe Trump Amerika nach Carlsons Darstellung in einen Krieg hineingezogen, der vor allem im Interesse Israels geführt werde. In einem Interview, über das auch El País berichtete, sagte Carlson sinngemäß, eine Partei, die die Interessen eines fremden Landes über die eigenen Bürger stelle, könne er nicht mehr unterstützen.
Damit attackiert Carlson Trump an genau jener Stelle, an der dessen Bewegung immer am empfindlichsten war: beim Versprechen, die amerikanische Mittelschicht nicht länger für außenpolitische Abenteuer bezahlen zu lassen. Trump hatte sich als Anti-Bush, Anti-Neocon und Anti-Endloskrieg verkauft. Carlson hält ihm nun vor, am Ende doch wieder dort gelandet zu sein, wo Washington immer landet: bei Militär, Geheimdiensten, Lobbydruck und geopolitischen Rechnungen, die der normale Wähler bezahlen darf.
Dass Trump die Iran-Linie weiter verschärft, macht den Riss noch größer. Axios meldete am Freitag, Trump habe erklärt, die Gespräche mit Iran könnten zwar weitergehen, der Waffenstillstand sei aber vorbei. Für Carlson und andere Anti-Interventionisten ist das keine Stärke, sondern der Beweis, dass aus „America First“ eine alte Washingtoner Kriegslogik geworden ist.
Dazu kommt der Epstein-Frust. In der MAGA-Basis galt die vollständige Aufklärung der Epstein-Akten lange als Prüfstein dafür, ob Trump wirklich gegen die Eliten und den sogenannten tiefen Staat vorgeht. Carlson hat die Republikaner mehrfach dafür angegriffen, zu viel zu versprechen und dann genau dort auszuweichen, wo es für mächtige Netzwerke unangenehm wird. Der Vorwurf lautet: Gegen Gegner wird die große Keule geschwungen, bei den wirklich brisanten Akten bleibt plötzlich alles kompliziert, juristisch sensibel und politisch verdächtig langsam.
Carlson wird deshalb nicht zum Linken. Er wechselt nicht ins Lager der Demokraten. Er bricht mit Trump von rechts, aus einer nationalpopulistischen Enttäuschung heraus. Genau das macht den Vorgang gefährlich für Trump. Kritik von MSNBC kann er als Feindpropaganda abtun. Kritik von Carlson trifft jene Zuschauer, die Trump einst vertraut haben, weil Carlson ihnen erklärte, warum sie ihm vertrauen sollten.
Der Fall zeigt, wie brüchig Trumps Bündnis geworden ist. Die einen wollen Israel bedingungslos stützen, die anderen wollen aus allen Kriegen raus. Die einen wollen Machtpolitik, die anderen wollten Entflechtung von Washington. Die einen sehen in Trump weiter den starken Mann, die anderen sehen einen Präsidenten, der sich vom Apparat hat einfangen lassen.
Wenn ausgerechnet der frühere Chefkommentator des rechten Amerika öffentlich sagt, er sei raus, dann ist das mehr als ein Mediengezänk. Dann beginnt die MAGA-Bewegung, sich an ihren eigenen Versprechen zu zerlegen.
Quellen: AP News, El País, Axios.



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