Spielbergs „Disclosure Day“ stellt die Gottesfrage: Hollywood greift nach dem Glauben

Symbolbild: Eine Kirche unter einem gewaltigen unbekannten Flugobjekt
Symbolbild

Steven Spielberg macht aus der Alien-Frage ausdrücklich eine Gottesfrage. In einem Interview mit CBS News über seinen neuen Film „Disclosure Day“ erklärt der Regisseur, es sei ihm wichtig gewesen, die Perspektive der Kirche einzunehmen. Der mögliche Nachweis außerirdischen Lebens solle nicht nur Politik und Wissenschaft erschüttern, sondern auch religiöse Gewissheiten herausfordern.

Spielberg formuliert die entscheidende Frage selbst: „Ist Gott nur unser Gott hier auf diesem Planeten?“ Anschließend erweitert er sie auf mögliche andere bewohnte Welten. Breitbart fasst die Aussage zugespitzt so zusammen, der Film werde Christen ihren Glauben an Gott hinterfragen lassen. Ein verbreiteter Ausschnitt des Interviews wird auch vom X-Konto Shadow of Ezra aufgegriffen.

Spielberg sagt allerdings nicht, er wolle Christen gezielt den Glauben rauben. Diese Absicht lässt sich aus dem Interview nicht belegen. Er inszeniert außerirdisches Leben vielmehr als theologischen Stresstest. Kritikwürdig bleibt das trotzdem: Hollywood verkauft eine uralte Glaubensfrage als geistigen Schock, der erst durch ein spektakuläres Ereignis vom Himmel über die Menschheit hereinbrechen müsse.

Dabei wäre die Existenz anderer Lebewesen im Universum keineswegs automatisch eine Widerlegung des christlichen Glaubens. Der biblische Gott ist nicht als lokaler Schutzgott eines einzelnen Planeten gedacht, sondern als Schöpfer des Himmels und der Erde, des Sichtbaren und Unsichtbaren. Die Entdeckung außerirdischen Lebens würde neue Fragen aufwerfen. Sie würde aber weder die Existenz Gottes noch die christliche Schöpfungsvorstellung aus eigener Kraft beseitigen.

Genau hier liegt die Schwäche der Hollywood-Dramaturgie. Sie stellt Glauben gern als starres, provinzielles System dar, das bei der ersten Begegnung mit dem Unbekannten zusammenbrechen müsse. Der Filmindustrie dient Religion dann als Fallhöhe: Je größer das Raumschiff, desto kleiner soll plötzlich der Glaube wirken. Diese Rechnung unterschätzt eine Theologie, die sich seit Jahrhunderten mit der Größe der Schöpfung, dem Kosmos und der Begrenztheit menschlicher Erkenntnis beschäftigt.

„Disclosure Day“ startet am 12. Juni. Der Film trifft auf eine Zeit, in der UAP-Anhörungen, Geheimdienstberichte und angebliche Enthüllungen längst zum politischen und medialen Dauerstoff geworden sind. Spielberg versteht es wie kaum ein anderer, solche Stimmungen in große Bilder zu übersetzen. Doch Kino bleibt Kino. Eine emotional überwältigende Inszenierung ist weder Offenlegung noch theologischer Beweis.

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