Schöne neue Welt: Energieversorger sperrt Klimaanlage im eigenen Haus

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Schöne neue Welt: Eine Frau in Colorado will die Klimaanlage in ihrem eigenen Haus kälter stellen. Doch der vernetzte Thermostat verweigert den Befehl. Auf dem Display erscheint der Hinweis, dass die Solltemperatur wegen der Belastung des regionalen Stromnetzes nicht gesenkt werden dürfe. Ein aktuell millionenfach verbreiteter X-Beitrag von Wall Street Apes zeigt den Fall im Video.

Die Aufnahmen sind nicht neu. Sie gehen auf einen Vorfall in Colorado im August 2022 zurück. Damals verloren rund 22.000 Kunden des Energieversorgers Xcel Energy zeitweise die Kontrolle über ihre smarten Thermostate. Einige Geräte ließen sich bei 78 oder 79 Grad Fahrenheit, also etwa 26 Grad Celsius, nicht weiter herunterregeln. Hintergrund waren eine Hitzewelle, eine hohe Stromnachfrage und der Ausfall eines großen Kohlekraftwerks.

Der Eingriff traf nicht wahllos alle Haushalte. Die betroffenen Kunden hatten sich freiwillig für das Programm „AC Rewards“ angemeldet. Dafür gab es einen einmaligen Anreiz und jährlich eine kleine Gutschrift. Im Gegenzug durfte Xcel Energy bei Lastspitzen den Sollwert der Klimaanlage aus der Ferne erhöhen oder deren Laufzeit begrenzen. Der Versorger beschreibt diese Befugnis bis heute offen in seinen Teilnahmebedingungen.

Das macht den Vorgang rechtlich erklärbar, aber nicht weniger beunruhigend. Für eine überschaubare Prämie wird die Kontrolle über ein Gerät im eigenen Haus teilweise an den Energieversorger abgegeben. Was als freiwilliges Sparprogramm beginnt, schafft die technische Infrastruktur, mit der sich Verbrauch aus der Ferne steuern lässt. Der Bewohner drückt auf den Knopf, doch die Entscheidung fällt anderswo.

Genau deshalb reicht der Fall weit über eine Klimaanlage in Colorado hinaus. Vernetzte Thermostate, intelligente Stromzähler und steuerbare Verbraucher verbinden Komfort mit einer Fernzugriffsmöglichkeit. F-NEWS hat bereits vor der Smart-Meter-Pflicht als digitalem Einfallstor in den Haushalt gewarnt. Wer Verbrauch minutengenau messen kann, erhält ein detailliertes Bild vom Alltag. Wer Geräte zusätzlich steuern kann, besitzt noch mehr Macht.

Auch in Deutschland wird längst darüber gesprochen, Stromverbrauch in Engpasslagen gezielt zu drosseln oder zeitlich zu verschieben. Im Zusammenhang mit drohenden Strom-Lockdowns und steuerbaren Industrieanlagen zeigt sich dieselbe Logik im größeren Maßstab: Nicht das Angebot wird zuverlässig ausgebaut, sondern die Nachfrage soll technisch gelenkt werden.

Im X-Beitrag heißt es weiter, solche freiwilligen Programme würden später zwangsläufig verpflichtend. Das kennt man bereits von Elster, E-Pass, Bundes-ID oder ganz ganz früher dem Girokonto, ohne dem heute gar nichts mehr läuft.

Die technische Grundlage heute ist beängstigender. Der Versorger kann ein privates Gerät aus der Ferne begrenzen, sobald der Kunde zugestimmt hat. Wer heute für ein paar Dollar die Kontrolle abtritt, sollte deshalb sehr genau lesen, was er unterschreibt. Der smarte Thermostat ist dann nicht mehr nur ein bequemes Bedienfeld an der Wand. Er wird zum Schalter, an dem im Zweifel jemand anderes sitzt.

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