Der Staat will künftig auch dort genauer hinschauen, wo Eltern ihre Kinder bewusst nicht in eine Kita geben: Nach Plänen von Familienministerin Karin Prien sollen alle Kinder spätestens im Alter von vier Jahren auf Sprache und Entwicklung geprüft werden. Wie Demo für Alle hervorhebt, betrifft das nach übereinstimmenden Berichten auch Vierjährige, die keine Kindertageseinrichtung besuchen.
Der im Juli vorgelegte Referentenentwurf trägt den sperrigen Namen „KiTa-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz“. Das Familienministerium beschreibt sein Vorhaben als bundesweiten Standard für die Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands. Geprüft werden sollen nicht nur Sprachkenntnisse, sondern auch sozial-emotionale und motorische Entwicklung sowie mathematische Fähigkeiten.
Offiziell geht es um einen besseren Schulstart und um gezielte Förderung, falls ein Bedarf festgestellt wird. Doch die Reichweite des Projekts ist größer: Wer sein Kind selbst betreut, eine private Lösung gewählt hat oder die Kita aus guten Gründen meidet, soll dem Zugriff nicht einfach entgehen. Laut Berichten über den Entwurf sollen die Tests auch Kinder ohne Kita-Besuch durchlaufen.
Eine formelle Kita-Pflicht steht in dem Referentenentwurf nicht. Dennoch sollen die Träger der öffentlichen Jugendhilfe auf die Inanspruchnahme von Kindertagesbetreuung hinwirken, etwa durch Informations- und sogenannte Brückenangebote. Der Schwerpunkt liege dabei auf Kindern in „herausfordernden Lebenslagen“. Damit wächst der Druck auf Familien, die ihren Erziehungsweg nicht an staatliche Frühbetreuung anpassen wollen.
Der Bund will die Länder für die Umsetzung von 2027 bis 2034 mit insgesamt rund 9,25 Milliarden Euro unterstützen. Zugleich bleibt offen, wer die zusätzlichen Prüfungen praktisch durchführen soll und wie die Daten behandelt werden. In ohnehin überlasteten Kitas kommen neue Aufgaben hinzu; außerhalb der Einrichtungen muss erst eine Struktur geschaffen werden, um Kinder und Eltern zu erreichen.
F-NEWS hatte bereits über die Forderung „Schulpflicht abschaffen statt Kita-Zwang“ berichtet. Der neue Entwurf verschiebt die Grenze weiter nach vorn: Noch bevor die Schulpflicht beginnt, sollen Familien mit staatlich vorgegebenen Entwicklungsmaßstäben konfrontiert werden.
Auch die Debatte um eine allgemeine Kita-Pflicht wegen fehlender Deutschkenntnisse zeigte bereits, wie schnell Bildungspolitik zum Druckmittel gegenüber Eltern werden kann. F-NEWS dokumentierte das bei der Forderung der BaWü-AfD nach einer Kita-Pflicht für alle. Förderung darf helfen, aber sie darf nicht zum Vorwand werden, aus jedem vierjährigen Kind einen staatlich vermessenen Fall zu machen.








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