Der freiheitliche EU-Abgeordnete Gerald Hauser greift die alte „Game Changer“-Erzählung der COVID-19-Impfkampagne frontal an. In einer aktuellen Presseaussendung verweist Hauser auf offizielle Zahlen aus Niederösterreich und wirft Politik und Medien vor, die Wirkung der Impfungen jahrelang überhöht dargestellt zu haben.
Hauser nennt den COVID-19-Evaluierungsbericht des Landes Niederösterreich als zentrale Grundlage. Sein Vorwurf: Die offiziellen Daten passten nicht zur politischen Behauptung, die COVID-19-Impfungen seien der große Befreiungsschlag gewesen. Besonders brisant sind die von ihm hervorgehobenen Zahlen zur Impf-Ära.
Nach Hausers Darstellung fanden zwischen dem 11. März 2020 und dem 29. Juni 2023 insgesamt 94,2 Prozent aller Corona-Infektionen in jener Phase statt, in der bereits 76,1 Prozent der Bevölkerung geimpft waren. Außerdem seien 74,1 Prozent aller COVID-19-Todesfälle in Österreich auf diese Impf-Ära entfallen. Für Hauser bestätigen diese Zahlen, dass die Impfungen weder Ansteckungen noch Weitergabe des Virus zuverlässig verhindern konnten.
Natürlich beweisen solche Rohzahlen für sich allein nicht jede medizinische Detailfrage. Die Pandemie verlief in Wellen, Varianten änderten sich, Tests wurden unterschiedlich breit eingesetzt, und Alters- sowie Risikogruppen spielten eine Rolle. Aber politisch ist der Punkt trotzdem scharf: Wenn ein Mittel jahrelang als „Game Changer“ und „Lebensretter“ verkauft wurde, muss es sich an den offiziellen Gesamtzahlen messen lassen.
Genau diese Bilanz wirkt nicht wie der Triumph, der damals behauptet wurde. Die Impfkampagne wurde mit moralischem Druck, Zugangsbeschränkungen, Ausgrenzung Ungeimpfter und der Debatte über Impfpflicht flankiert. Wer Zweifel äußerte, wurde schnell in die Ecke gestellt. Heute liegen Berichte, Daten und Evaluierungen auf dem Tisch, und plötzlich klingt vieles weniger nach Wissenschaft, sondern nach politischer Kampagne mit medizinischem Etikett.
Der niederösterreichische Bericht selbst ist für die Corona-Aufarbeitung unangenehm genug. Er behandelt unter anderem die bedingte Zulassung, die Frage der Datengrundlagen, die Impfquote, die Diskussion um die Impfpflicht, die „an oder mit COVID-19“-Problematik und anerkannte Impfschäden. Schon die Existenz solcher Punkte zeigt, wie viel von dem, was während der Pandemie als erledigt oder alternativlos verkauft wurde, nachträglich wieder auf den Tisch gehört.
Hauser formuliert es erwartbar hart: Die Einheitsparteien aus Konservativen, Sozialisten, Grünen und Liberalen hätten die COVID-19-Impfungen jahrelang als angeblichen „Game Changer“ dargestellt, unterstützt von großen Teilen der Mainstream-Medien. Der offizielle Bericht aus Niederösterreich zeichne aus seiner Sicht ein anderes Bild.
Man muss Hausers politische Schlussfolgerungen nicht unkritisch übernehmen, um den Kern zu sehen: Die Corona-Politik hat eine offene Bilanz verdient. Nicht als Showprozess, sondern als nüchterne Abrechnung mit Macht, Druck, Datenlücken und überzogenen Versprechen. Wer damals Grundrechte an Impfstatus, QR-Codes und moralische Unterwerfung koppelte, kann sich heute nicht hinter dem Satz verstecken, man habe es eben gut gemeint.
Besonders bitter ist die Lehre für die Zukunft. Bei der nächsten Gesundheitskrise werden dieselben Reflexe wieder bereitliegen: Notstandsrhetorik, Modellrechnungen, Medienkampagnen, sozialer Druck, digitale Nachweise und die Behauptung, diesmal gebe es keine Alternative. Genau deshalb sind solche offiziellen Zahlen politisch so wichtig. Sie verhindern, dass die Pandemie-Erzählung sauber abgeheftet wird, bevor die entscheidenden Fragen beantwortet sind.
Die „Game Changer“-Legende bröckelt nicht, weil ein FPÖ-Abgeordneter eine Pressemitteilung schreibt. Sie bröckelt, weil offizielle Berichte und spätere Auswertungen zeigen, wie groß der Abstand zwischen Versprechen und Wirklichkeit war. Wer diese Lücke nicht diskutieren will, schützt nicht die Wissenschaft. Er schützt die damalige Macht.






