Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit den Eltern des in Trier erstochenen Studenten telefoniert und ihnen Unterstützung zugesichert. Das rund zehnminütige Gespräch sei sehr emotional gewesen, berichtete der Vater des Opfers. Die Familie hofft nun auf politische Konsequenzen.
Der 22-jährige Student war am 15. Juli gegen 10 Uhr nach einem Einkauf auf einem Fußweg an der Robert-Schuman-Allee unterwegs. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft Trier traf er dort zufällig auf einen gleichaltrigen afghanischen Staatsangehörigen.
Der Beschuldigte soll den Studenten aus bislang unbekannten Gründen mit einem mitgeführten Küchenmesser angegriffen und ihm mindestens zwei Stiche in den Oberkörper versetzt haben. Das Opfer brach auf der Straße zusammen und starb trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen wenig später im Krankenhaus.
Der Tatverdächtige wurde in der Nähe festgenommen. Er räumte nach Angaben der Ermittler ein, auf den Studenten eingestochen zu haben, machte aber keine weiteren Angaben. Täter und Opfer kannten sich nach bisherigem Ermittlungsstand nicht. Die Staatsanwaltschaft führt ein Verfahren wegen des Verdachts des Totschlags.
Das Amtsgericht ordnete die einstweilige Unterbringung des Beschuldigten in einer geschlossenen forensischen Psychiatrie an. Laut Ermittlern gibt es Hinweise auf eine psychische Erkrankung und eine mögliche Beeinträchtigung seiner Schuldfähigkeit. Ein Gutachten soll diese Frage klären.
Wie t-online berichtet, bot Merz den Eltern Unterstützung an. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder und der Chef der Mainzer Staatskanzlei, Marcus Klein, meldeten sich demnach bei der Familie. Eine Bestätigung aus dem Kanzleramt, dass der Fall tatsächlich in Berlin auf die Tagesordnung kommt, liegt bislang nicht vor.
Politisch bedeutet diese Geste sowieso nichts, solange ihr keine grundlegende Wende folgt. Anteilnahme am Telefon ersetzt keine Politik, die weitere vermeidbare Opfer verhindert.
Nach jeder erschütternden Tat folgen Betroffenheit, Blumen, Schweigeminuten und Zusicherungen. Danach kehrt der politische Betrieb zur Tagesordnung zurück. Es gibt keinen erkennbaren Grund zu glauben, dass es nach Trier anders sein wird. Auch dieser Fall wird keine Wende in der Migrations-, Abschiebe- und Sicherheitspolitik auslösen, solange die Verantwortlichen zwar den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl aussprechen, aber an den politischen Rahmenbedingungen festhalten.
Die Eltern hoffen, dass der Tod ihres Sohnes politische Konsequenzen hat. Diese Hoffnung verdient mehr als ein emotionales Telefongespräch. Sie verdient Entscheidungen. Doch genau die sind von Merz und seiner Regierung auch nach diesem Fall nicht zu erwarten.



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