Mercedes droht mit Werksschließung: Mehr Arbeit ohne Lohn oder das Aus

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Bei Mercedes-Benz soll der Vorstand nach einem Bericht von t-online im Tarifkonflikt mit der Schließung eines deutschen Standorts Druck auf die Arbeitnehmervertreter ausüben. Eine Entscheidung von Vorstand oder Aufsichtsrat gibt es dem Bericht zufolge noch nicht. Welches Werk betroffen sein könnte, bleibt offen.

Im Raum steht ein harter Tausch. Die Beschäftigten sollen fünf Stunden pro Woche länger arbeiten, ohne dafür zusätzlich bezahlt zu werden. Außerdem sollen sämtliche Vergütungsbestandteile und Sonderzahlungen auf den Prüfstand. Dazu zählen laut dem Bericht auch Weihnachts- und Urlaubsgeld. Sollte die Arbeitnehmerseite dem Sparprogramm nicht zustimmen, könnte Mercedes seine Produktion in Osteuropa ausbauen und dafür einen Standort in Deutschland zur Disposition stellen.

Mercedes selbst kommentierte die Darstellung nicht und verwies lediglich auf die laufenden Gespräche. Die Lage ist jedoch seit Monaten angespannt. Im Juni hatte der Konzern die Beschäftigten bereits darüber informiert, dass die Kapazitäten in Deutschland deutlich über dem Bedarf lägen. Besonders die deutschen Komponentenwerke, darunter Untertürkheim und Hamburg, stehen damit unter wachsendem Druck.

Parallel baut Mercedes seine Fertigung in Ungarn aus. Im Werk Kecskemét werden bereits der GLB und die elektrische C-Klasse produziert; weitere Modelle sollen folgen. Für die Belegschaften in Deutschland ist das eine klare Kampfansage. Mehr Arbeit, weniger Geld und die ständige Drohung mit der Verlagerung sollen offenbar Kosten senken, während Arbeitsplätze im Ausland entstehen.

Aus dem Umfeld der Verhandlungen wird die Lage bei t-online als „extreme Drohung“ und als „Erpressung“ beschrieben. Die Arbeitnehmervertreter sollen nicht über die Zukunft eines einzelnen Werks verhandeln, sondern unter dem Damoklesschwert einer möglichen Schließung Zugeständnisse machen.

Der Vorgang ist Teil der größeren Krise der Branche. F-NEWS bündelt die Entwicklung bei Herstellern und Zulieferern in der laufend aktualisierten Übersicht „Deutschlands Autoindustrie in der Krise: Stellenabbau, Gewinneinbruch und verlorene Märkte“. Mercedes hatte in seiner Pkw-Sparte bereits einen Gewinneinbruch von 26 Prozent gemeldet. Auch BMW und Volkswagen kämpfen mit schwachen Margen, dem verlorenen China-Geschäft und hohen Standortkosten.

Wie tief die Krise inzwischen reicht, zeigte zuletzt auch der Gewinneinbruch bei BMW. Statt die politischen und wirtschaftlichen Ursachen des industriellen Niedergangs anzugehen, wird der Druck nun unmittelbar an die deutschen Belegschaften weitergereicht.

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