Lithium-Schatz unter der Altmark: Reicht er für 500.000 E-Autos – und hilft das VW, BMW und Mercedes?

Unter der Altmark liegt womöglich ein Rohstoff, den die deutsche Autoindustrie dringend gebrauchen könnte. Neptune Energy will dort Lithium aus Tiefenwasser gewinnen. Das Unternehmen rechnet für den Fall einer erfolgreichen kommerziellen Förderung mit bis zu 25.000 Tonnen Lithiumkarbonat pro Jahr. Das entspräche nach Angaben des Betreibers Batteriematerial für ungefähr 500.000 Elektroautos.

Der Wert ist keine laufende Produktion, sondern das maximale Ziel eines Projekts, das noch in der Pilotphase steckt. In der Altmark wird die direkte Lithiumextraktion aus Thermalwasser getestet. Das Wasser stammt aus bereits vorhandenen Erdgasbohrungen in drei bis fünf Kilometern Tiefe. Das Lithium soll über Ionenaustausch- oder Adsorptionsverfahren herausgelöst werden; das Restwasser soll wieder in die Lagerstätte zurückfließen.

Neptune Energy Deutschland hält seit April 2024 die bergrechtliche Bewilligung zur Lithiumgewinnung im Gebiet „Jeetze-L“ und verfügt nach eigenen Angaben über drei weitere Aufsuchungserlaubnisse. Eine von Sproule ERCE nach dem Standard CIM/NI 43-101 erstellte Bewertung beziffert die Ressource auf 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonatäquivalent. Das ist eine Ressourcenschätzung, keine bereits erschlossene Jahresproduktion.

Technisch hat Neptune mehrere Schritte geschafft. Ende 2024 entstand in einem Pilotversuch mit Geolith und KBR Lithiumkarbonat mit 99,9 Prozent Reinheit, das als batteriefähig gilt. 2025 folgten weitere Versuche mit Lilac Solutions. Auf die laufenden Pilotprojekte soll eine Demonstrationsanlage folgen. Erst danach stehen weitere Genehmigungen, Finanzierung und der Nachweis an, dass das Verfahren dauerhaft wirtschaftlich arbeitet.

Parallel läuft seit Februar das Forschungsprojekt RoLiXX. Neptune koordiniert den auf 36 Monate und rund drei Millionen Euro angelegten Verbund mit dem GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung, der TU Berlin, Fraunhofer IEG und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. Untersucht werden Lagerstätte, Extraktion, Korrosion, Wirtschaftlichkeit und die Folgen für die Region.

Für VW, BMW und Mercedes wäre Altmark-Lithium grundsätzlich ein Vorteil: kürzere Lieferketten, weniger Abhängigkeit von Importen und ein Rohstoff aus deutscher Produktion. Einen Liefervertrag mit einem der drei Autobauer hat Neptune bislang jedoch nicht bekanntgegeben. Selbst bei erfolgreicher Förderung ist Lithium nur der erste Schritt. Es braucht chemische Weiterverarbeitung, Kathodenmaterial und konkurrenzfähige Zellfertigung. Genau dort liegt der Abstand zu China weiterhin.

Der Zeitpunkt ist dennoch bemerkenswert. Während Tesla und BYD den deutschen Herstellern im E-Auto-Geschäft zusetzen, wie F-NEWS beim stark gestiegenen E-Auto-Absatz berichtete, geraten BMW, Mercedes und Volkswagen bei Gewinn, Kosten und Absatz unter Druck. Der Überblick zur Krise der deutschen Autoindustrie zeigt: Ein heimischer Lithiumrohstoff kann helfen, aber er ersetzt keine bezahlbare Energie, keine wettbewerbsfähigen Batterien und keine tragfähige Industriepolitik.

Die Altmark könnte Deutschland einen Teil der Rohstoffsouveränität zurückgeben. Noch ist das aber kein Rettungsring für die Autobauer, sondern ein Projekt zwischen Pilotanlage und möglicher Großproduktion. Wenn daraus wieder jahrelange Genehmigungsschleifen werden, sichern sich andere die Märkte längst mit günstigeren Zellen und fertigen Autos.

Quellen: Neptune Energy, Projektseite Altmark; Neptune Energy, Ressourcenbewertung und Projektstand.

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