KI-Schock voraus: Nobelpreisträger warnen vor Jobverlusten im Rekordtempo

|

|

·
Ein Arbeitnehmer steht in einem fast menschenleeren Büro vor einem Rechenzentrum
Symbolbild: Während die Büros leer werden, laufen die Rechenzentren weiter.

Mehr als 200 Ökonomen und KI-Forscher schlagen Alarm. Künstliche Intelligenz könne die Wirtschaft innerhalb weniger Jahre stärker verändern als die industrielle Revolution – nur erheblich schneller. Zu den Unterzeichnern der Erklärung „We Must Act Now“ gehören 16 Nobelpreisträger sowie Fachleute von OpenAI, Anthropic und Google.

Die am Montag veröffentlichte Erklärung ist nur wenige Sätze lang, ihre Warnung fällt dennoch deutlich aus: KI könne in den kommenden zehn Jahren radikal leistungsfähiger werden. Damit seien große Wohlstandsgewinne möglich, zugleich drohten aber Arbeitsplatzverluste in bisher unbekanntem Ausmaß.

Maschinen ersetzen längst nicht mehr nur Handgriffe in Fabrikhallen. Übersetzungen, Programmierung, Kundenservice, Buchhaltung, Grafik, Recherche und Teile juristischer oder medizinischer Arbeit können schon heute automatisiert werden. Je leistungsfähiger die Systeme werden, desto weniger schützt ein Studium vor der Ersetzbarkeit. Der kommende Rationalisierungsschub trifft nicht nur Arbeiter, sondern die bislang geschützten Schreibtischberufe.

Die Unterzeichner fordern Politik, Wissenschaft und Technologieunternehmen auf, jetzt Regeln, Anreize und Institutionen zu schaffen. KI solle Menschen ergänzen und der Gesellschaft nutzen, statt sie nur zu imitieren und aus ihren Arbeitsplätzen zu drängen. Konkrete Maßnahmen nennt die Erklärung allerdings nicht. Es bleibt offen, wer die Entwicklung steuern soll, wer für die Folgen bezahlt und wie verhindert werden kann, dass Produktivitätsgewinne bei wenigen Konzernen landen.

Das Schweigen zu diesen Fragen ist auffällig. Unternehmen investieren Milliarden, um menschliche Arbeit durch immer leistungsfähigere Modelle zu ersetzen. Gleichzeitig warnen Vertreter eben dieser Branche vor den gesellschaftlichen Folgen. Die Öffentlichkeit erhält damit eine Alarmmeldung, aber keinen belastbaren Plan. Die technischen Systeme sind längst auf dem Markt, während über die Schutzmechanismen erst noch nachgedacht werden soll.

Der Stanford-Ökonom Erik Brynjolfsson erklärt, die Fähigkeiten der KI entwickelten sich schneller als das Verständnis ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen. Anton Korinek von der Universität Virginia warnt, frühere technische Revolutionen hätten den Gesellschaften Jahrzehnte zur Anpassung gelassen; bei KI könnten nur wenige Jahre bleiben. Tom Cunningham vom Forschungsinstitut METR beschreibt die Lage als Fahrt im Nebel.

Nach Angaben der University of Toronto zählen auch die Nobelpreisträger Daron Acemoglu und Michael Spence zu den Unterstützern. Acemoglu fordert, KI müsse Arbeitern und Gesellschaft zugutekommen. Spence verlangt angesichts des Tempos einen umfassenden und koordinierten politischen Einsatz.

Die Erklärung ist kein Aufruf zum Verbot von KI. Sie ist das Eingeständnis, dass selbst führende Ökonomen und Entwickler die wirtschaftlichen Folgen nicht zuverlässig abschätzen können. Trotzdem läuft das Wettrennen weiter. Sollte KI tatsächlich in wenigen Jahren Millionen Tätigkeiten übernehmen, wird die entscheidende Frage nicht lauten, was die Technik leisten kann. Sie wird lauten, wem die Maschinen gehören – und wovon die Ersetzten leben sollen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert