Am Himmelfahrtstag beim Katholikentag in Würzburg rief Bischof Franz Jung den Gläubigen auf dem Residenzplatz zu, was alle Erwartungen übertraf.
„Habt Mut, steht auf und wagt den Widerspruch gegen alle Machthaber dieser Welt, die sich in Allmachtsfantasien ergehen und diese auch noch religiös verbrämen.“
Ein starker Satz. Ein sehr starker sogar.
Ohne es vermutlich in letzter Konsequenz gemeint zu haben, was er da gerade in die Menge rief, hat der Bischof damit genau jenes Verhalten ermutigt, das seit 14 Jahren von einem großen Teil der deutschen Bevölkerung gelebt wird. Er hat Bürgern zugerufen, sich nicht länger einschüchtern zu lassen, sondern aufzustehen und den Widerspruch zu wagen. Genau das ist es, was die AfD seit ihrer Gründung sorgenvoll und beharrlich in die Gesellschaft trägt.
Vor 14 Jahren traten Wissenschaftler zusammen
Man nannte sie spöttisch die „Professorenpartei“. Dreizehn kluge Köpfe und weitere, die den Mut fanden, aufzustehen. Sie riskierten Karriere, Reputation, Freundschaften und gesellschaftliche Ächtung. Sie wagten den Widerspruch gegen eine Politik, die sie als verhängnisvoll ansahen, Euro-Rettungspolitik, Energiepolitik, Migrationspolitik. Dinge, die damals schon kritisch waren und heute für viele offensichtlich schiefgelaufen sind.
Bischof Jungs Predigt bietet Regierungskritik
Das Reich Christi gründet nicht auf Gewalt, Unterdrückung oder Einschüchterung. Und es darf nicht missbraucht werden zur Rechtfertigung irdischer Herrschaftsansprüche. Das klingt pauschal. Hat er damit auch das gemeint, was die AfD ertragen muss?
Ist es nicht so: Wer heute auf Missstände hinweist, offene Grenzen, Rentendisaster, Energiekrise, Werteverfall, Schuldenberg, der wird genau mit diesen Methoden bekämpft: moralischer Ächtung, beruflicher Diskriminierung und medialer Einschüchterung. Die Machthaber und ihre Helfer rufen sofort „Spaltung!“, wenn jemand den Finger in die Wunde legt. Dabei ist es gerade das Ausgrenzen, das die Spaltung vertieft. Das „kreuzigt ihn“ wiederholt sich.
Etwas zu tun, was gesellschaftlich und medial hoch angesehen ist, kostet keinen Mut. Applaus von Kirchenfunktionären, Politikern und Redaktionen einzuheimsen, ist bequem. Auf dem Sofa zu sitzen und „irgendwas muss man ja tun“ zu murmeln, erst recht.
Echter Mut zeigt sich dort, wo Widerstand droht.
Jesus wurde nicht gekreuzigt, weil er nette Allgemeinplätze erzählt hat. Er wurde gekreuzigt, weil er die religiösen und politischen Machthaber seiner Zeit herausforderte. Heute reicht schon ein kritischer Facebook-Post oder eine abweichende wissenschaftliche Einschätzung, und die Cancel-Maschinerie, der Verfassungsschutz und die öffentliche Denunziation laufen auf Hochtouren.
Die wirklich wichtigen Debatten entstehen nicht durch Mitläufertum, sondern durch jene, die den Mut haben, „Nein“ zu sagen, wenn alle anderen „Ja“ brüllen.
Der Bischof rief weiter: „Habt Mut, steht auf!“, nicht nur zum Beten, nicht nur zum innerkirchlichen Dialog, sondern auch zum Widerspruch gegen die Mächtigen dieser Welt. Manche in Deutschland haben diesen Ruf offenbar früher gehört als von der Kanzel in Würzburg. Sie stehen seit 14 Jahren aufrecht. Oft allein, oft unter Anfeindung und ohne Beifall von oben.
Vielleicht liegt genau darin die unfreiwillige Ironie dieser Predigt: Der Bischof predigt „Steht auf!“, und ein großer Teil der Gesellschaft steht schon längst und zeigt damit Mut. Nur nicht in die Richtung, die man sich im kirchlichen Establishment vielleicht vorgestellt hat.






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