Kardinal Raymond Leo Burke fordert einen Stopp der kirchlichen „Synodalität“ in ihrer bisherigen Form. Das Konzept sei weder klar definiert noch in der Tradition der Kirche verankert und müsse umfassend geprüft werden. Dabei gehe es nicht um eine organisatorische Modefrage, sondern „um das Leben der Kirche und das Heil der Seelen“, sagte der US-Kardinal in einem Interview mit dem College of Cardinals Report.
Anlass seiner Kritik war das von Papst Leo einberufene Konsistorium vom 26. und 27. Juni. Burke begrüßte ausdrücklich, dass die Kardinäle nach Jahren wieder zu einer gemeinsamen Beratung zusammenkamen. Der brüderliche Austausch sei eine große Frucht des Treffens gewesen. Doch die synodale Organisation habe eine wirkliche Debatte weitgehend verhindert.
Die Kardinäle seien in kleine Gruppen aufgeteilt und mit vorgegebenen Fragen durch ein kontrolliertes Verfahren geführt worden. An den Papst gelangten anschließend vor allem Zusammenfassungen dessen, worauf sich alle Teilnehmer einigen konnten. Wichtige Minderheitspositionen konnten dadurch herausgefiltert werden. Die traditionelle offene Aussprache im Beisein des Papstes fand erst am Ende statt und war aus Burkes Sicht der produktivste Teil – allerdings viel zu kurz.
Burkes Einwand trifft den Kern: Beratung verliert ihren Sinn, wenn das Verfahren bereits festlegt, welche Stimmen am Ende sichtbar werden. Kardinäle sind keine Moderationsgruppen, sondern Berater des Papstes. Sie müssen auch unbequeme Warnungen frei vortragen können. Ein Prozess, der Dissens in Konsensberichten verschwinden lässt, erzeugt den Anschein gemeinsamer Zustimmung, statt die Wahrheit zu suchen.
Besonders scharf wandte sich Burke gegen Versuche, unter dem Etikett der Synodalität die kirchliche Morallehre an moderne Wünsche anzupassen. Wahrheit richte sich nach der Natur der Dinge und ihrem Ziel, nicht nach subjektiven Neigungen. Die Kirche kenne keine „Paradigmenwechsel“, die ihre überlieferte Lehre in eine neue Richtung drehen könnten. Kontinuität bedeute, weiterzugeben, was sie selbst empfangen habe.
Der Kardinal kritisierte außerdem die Einschränkungen der traditionellen lateinischen Messe. Die ältere Form des römischen Ritus habe die Gläubigen über mehr als 15 Jahrhunderte geistlich genährt und müsse wieder frei zugänglich sein. Burke regte sogar ein eigenes vatikanisches Dikasterium für Katholiken an, die an dieser Liturgie festhalten.
Seine Botschaft ist unmissverständlich: Die Kirche darf sich nicht den Denkweisen der säkularen Welt anpassen, sondern muss aus ihrer Lehre und Geschichte heraus sprechen. Burke vertraut darauf, dass Christus seine Kirche schützt. Dieses Vertrauen entbindet Kardinäle und Gläubige aber nicht von der Pflicht, Fehlentwicklungen klar zu benennen. Synodalität kann nur dann dienen, wenn sie vollständig dem Glauben verpflichtet bleibt – nicht wenn sie ihn durch gesteuerte Verfahren umformt.



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