Kälte tötet 8,3-mal häufiger als Hitze: EU-Abgeordneter Hauser wirft EU einseitige Politik vor

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In Europa sterben derzeit rechnerisch deutlich mehr Menschen infolge niedriger als infolge hoher Temperaturen. Darauf verweist der freiheitliche EU-Abgeordnete Gerald Hauser in einer aktuellen Pressemitteilung. Er wirft der Europäischen Union vor, ihre Vorsorge einseitig auf Hitze auszurichten und Kälte, Energiearmut sowie die winterliche Versorgungssicherheit zu vernachlässigen.

Die von Hauser genannten Größenordnungen sind durch eine Untersuchung des Joint Research Centre der Europäischen Kommission gedeckt. Für die Klimaperiode von 1991 bis 2020 ermittelten die Forscher im Mittel 363.809 kältebedingte und 43.729 hitzebedingte Todesfälle pro Jahr. Daraus ergibt sich das Verhältnis von 8,3 zu eins.

Die Zahlen beruhen auf einem Modell für 1.368 Regionen in 30 europäischen Ländern. Untersucht wurden die 27 EU-Staaten sowie Großbritannien, Norwegen und die Schweiz. Es handelt sich dabei um statistisch Temperaturen zugerechnete Todesfälle, nicht um eine Zählung von Totenscheinen mit der Diagnose „Kälte“ oder „Hitze“.

Das Ergebnis selbst ist dennoch eindeutig: Unter den heutigen Bedingungen ist Kälte für den weitaus größeren Teil der temperaturbedingten Sterblichkeit verantwortlich. Die JRC-Forscher weisen zugleich darauf hin, dass sich das Verhältnis durch die Erwärmung und die Alterung der Bevölkerung verändern dürfte. Bei einem globalen Temperaturanstieg um drei Grad rechnen sie bis 2100 mit rund 55.000 zusätzlichen temperaturbedingten Todesfällen pro Jahr, vor allem durch steigende Hitzesterblichkeit.

Hauser kritisiert, der österreichische Aktionsplan zur EU-Mission „Anpassung an den Klimawandel“ enthalte zahlreiche Maßnahmen gegen zunehmende Hitzebelastung, aber keinen eigenständigen Plan gegen Kälte. Kälteschutz, Energiearmut und Versorgungssicherheit würden allenfalls indirekt behandelt. Er kündigte deshalb eine Anfrage an die EU-Kommission an. Darin will er unter anderem wissen, welche Maßnahmen zur Verringerung kältebedingter Todesfälle und zum Schutz bei möglichen Energieengpässen vorgesehen sind.

Der FPÖ-Abgeordnete verbindet seine Kritik mit einer Warnung vor hohen Energiepreisen und möglichen Gasengpässen im kommenden Herbst und Winter. Sanktionen gegen Russland und der Irankrieg könnten die Versorgung verteuern und Haushalte sowie Betriebe zusätzlich belasten. F-NEWS berichtete bereits über die wachsende Sorge vor einer neuen Gaskrise und über den Anstieg von Armut trotz hoher staatlicher Belastungen.

Hauser wirft Medien und etablierten Parteien außerdem vor, Kältetote kaum zu thematisieren, während Hitzetote regelmäßig im Mittelpunkt stünden. Seine Verbindung zur weiterhin diskutierten Übersterblichkeit seit den Corona-Impfkampagnen ist eine politische Bewertung; die JRC-Untersuchung enthält hierzu keine Aussagen.

Die angekündigte Anfrage dürfte die Kommission zu einer konkreten Antwort zwingen, welche Programme ausdrücklich gegen Kälte und Energiearmut gerichtet sind, welche Mittel dafür bereitstehen und warum die heute größere temperaturbedingte Todesursache in der öffentlichen Vorsorge deutlich weniger sichtbar ist.

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