Die Finanzmärkte reagieren erleichtert auf das von US-Präsident Donald Trump und Iran unterzeichnete Abkommen zur Beendigung des Krieges. Besonders deutlich zeigt sich die Entspannung beim Ölpreis: Brent-Rohöl fiel zuletzt unter die Marke von 80 Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI rutschte in den mittleren 70-Dollar-Bereich.
Schon nach der ersten Ankündigung des Deals setzte ein kräftiger Ausverkauf ein. Am Dienstag verlor Brent weitere 5,1 Prozent und schloss bei 78,96 Dollar. WTI sank um 5,8 Prozent auf 76,05 Dollar. Zwischenzeitliche Erholungen zeigten allerdings, dass die Händler dem Frieden noch nicht vollständig trauen.
Der Grund für den Preisrutsch liegt auf der Hand: Das Abkommen soll die Straße von Hormus wieder für den Tankerverkehr öffnen und Iran erlauben, sein Öl wieder ohne die bisherigen US-Sanktionen zu verkaufen. Damit könnten große Mengen Rohöl auf einen Markt zurückkehren, der während des Krieges unter erheblichen Lieferausfällen litt.
An den Aktienbörsen überwiegt entsprechend die Erleichterung. In Asien legten die Kurse am Donnerstag kräftig zu; die Leitindizes in Japan und Südkorea erreichten laut Associated Press neue Rekordstände. Auch die US-Futures zeigten vorbörslich nach oben. Sinkende Energiepreise nehmen Druck von Unternehmen, Verbrauchern und der Inflation.
Eine Rückkehr zur alten Normalität ist damit aber nicht garantiert. Die Lagerbestände sind niedrig, Tankerrouten und Lieferketten lassen sich nicht über Nacht wiederherstellen. Reuters zufolge war vor dem Krieg rund ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung auf die Straße von Hormus angewiesen. Marktbeobachter rechnen deshalb trotz des Deals weiter mit starken Schwankungen.
Hinzu kommt: Unterzeichnet wurde zunächst ein Abkommen zur dauerhaften Einstellung der Kampfhandlungen. Für die endgültige Regelung des iranischen Atomprogramms beginnt nun eine Frist von 60 Tagen. Trump ließ zugleich die Möglichkeit neuer Angriffe offen. Der Markt preist deshalb Frieden ein, aber noch keinen verlässlichen Frieden.
Hält die Vereinbarung und nimmt der Tankerverkehr tatsächlich wieder Fahrt auf, dürfte der Ölpreis weiter unter Druck bleiben. Die Citigroup senkte ihre durchschnittliche Brent-Prognose für das dritte Quartal auf 75 Dollar und für das vierte Quartal auf 70 Dollar je Barrel. Scheitert der Deal oder verzögert sich die Öffnung von Hormus, könnte die herausgerechnete Risikoprämie jedoch schnell zurückkehren.
Das vorläufige Fazit der Märkte lautet daher: Aktien profitieren, Öl wird billiger, der Dollar gerät zeitweise unter Druck. Doch der Preis von knapp 80 Dollar zeigt auch, dass die Händler dem politischen Papier noch nicht vollständig vertrauen.
Quellen: Associated Press, Reuters, Reuters/MarketScreener.







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