Die neue Eskalation zwischen den USA und dem Iran erreicht deutsche Autofahrer und Heizölkunden über den Ölpreis. Die Nordseesorte Brent stieg am Dienstagmorgen auf 86,04 Dollar je Barrel – ein Plus von 3,29 Prozent. US-Öl der Sorte WTI verteuerte sich um 2,83 Prozent auf 80,35 Dollar. Beide Sorten erreichten damit den höchsten Stand seit rund vier Wochen.
Auslöser sind neue Angriffe und die angekündigte US-Seeblockade iranischer Häfen. Nach Reuters-Angaben wurden zudem zwei Tanker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten von iranischen Marschflugkörpern getroffen. Ein Besatzungsmitglied starb, acht weitere wurden verletzt. Die Zahl der Tankerpassagen durch die Straße von Hormus fiel auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten.
Durch die Meerenge liefen vor dem Konflikt etwa ein Fünftel der weltweiten täglichen Öl- und Flüssiggaslieferungen. Die USA wollen ihre Blockade am Dienstagabend in Kraft setzen. Sie soll iranische Häfen und Ölterminals treffen, während Schiffe zu anderen Zielen angeblich weiter passieren dürfen. Gleichzeitig hat Präsident Donald Trump eine Abgabe von 20 Prozent für den Schutz der Schifffahrt ins Spiel gebracht. Wie diese Forderung praktisch umgesetzt werden soll, ist offen.
An deutschen Tankstellen ist Kraftstoff bereits teuer. Die jüngste ADAC-Auswertung vom 8. Juli weist für Super E10 bundesweit 2,024 Euro je Liter und für Diesel 1,953 Euro aus. Innerhalb einer Woche waren die Preise um 10,1 beziehungsweise 9,4 Cent gestiegen. Der Hauptgrund war zunächst das Ende des Tankrabatts und damit die Rückkehr der vollen Energiesteuer.
Der neue Rohölpreissprung kommt nun obendrauf. Er ist in den genannten Zapfsäulenpreisen noch nicht enthalten und dürfte mit Verzögerung auf Benzin und Diesel durchschlagen, falls Brent längere Zeit über 85 Dollar bleibt. Diesel reagiert besonders empfindlich, weil Deutschland große Mengen fertigen Dieselkraftstoff importieren muss. Der ADAC hatte das Preisniveau bereits bei einem Brent-Preis von rund 75 Dollar als ungerechtfertigt hoch kritisiert.
Beim Heizöl lag der bundesweite Durchschnitt am Dienstagmorgen laut Heizölpreis-Aktuell.de bei 118,40 Euro je 100 Liter für eine Standardlieferung von 3.000 Litern. Das entspricht rund 3.552 Euro für eine Tankfüllung. Gegenüber dem Vortag war der Preis leicht gesunken, gegenüber dem Vormonat lag er 2,17 Prozent höher. Auch dieser Morgenwert bildet den jüngsten Brent-Anstieg noch nicht vollständig ab.
Für Verbraucher entsteht damit die nächste Preiszange: Erst holt sich der Staat über die wieder erhöhte Energiesteuer rund 17 Cent je Liter zurück, dann liefert die Eskalation am Persischen Golf den nächsten Kostenschub. Sollte der Tankerverkehr weiter einbrechen oder die Blockade auf nichtiranische Lieferungen übergreifen, werden Benzin, Diesel und Heizöl weiter steigen. Entspannt sich die Lage rasch, könnte ein Teil des Aufschlags wieder verschwinden. Sicher ist derzeit nur: Jede neue Rakete in Hormus landet wenige Tage später auf der Energierechnung europäischer Haushalte.



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