Homburg: Der Corona-Mythos darf nicht ins Schulbuch

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Symbolbild: Ein modernes Biologie-Lehrbuch auf einem hellen Schultisch
Symbolbild: Welche Corona-Erzählung landet später in den Schulbüchern?

Der Finanzwissenschaftler und Corona-Kritiker Stefan Homburg warnt vor einer nachträglich geglätteten Pandemiegeschichte. In einem am 3. Juni veröffentlichten Interview bei „Geimpft, geschädigt, geleugnet“ erklärt er, der „Pandemiemythos“ dürfe nicht in die Schulbücher einsickern. Gemeint ist die Erzählung, Lockdowns, Ausgangssperren und Impfdruck hätten eine Katastrophe verhindert und seien deshalb im Kern richtig gewesen.

Homburg setzt an einem Punkt an, den die politische Rückschau gern weichzeichnet: dem massiven Abbau rechtsstaatlicher Normalität. Gesetze, Verordnungen und Grundrechtseingriffe seien in einem Tempo durchgesetzt worden, das parlamentarische Kontrolle und öffentliche Debatte weitgehend überrollt habe. Aus Ausnahmeentscheidungen wurde binnen Tagen Alltag.

Besonders scharf fällt seine Bilanz für Kinder und Jugendliche aus. Schulschließungen, Maskenzwang, Ausgrenzung und Impfdruck hätten eine Generation getroffen, die selbst kaum Einfluss auf die Entscheidungen hatte. Psychische und soziale Folgen seien bis heute sichtbar. Gerade dieser Teil der Corona-Politik darf in späteren Lehrbüchern nicht unter der Formel „notwendige Maßnahmen“ verschwinden.

Als Beleg für Widersprüche verweist Homburg auf SARI-Daten zu schweren Atemwegserkrankungen, PCR-Inzidenzen und die internen Protokolle des Robert Koch-Instituts. Die RKI-Krisenstabsprotokolle sind inzwischen weitgehend ungeschwärzt öffentlich zugänglich. Homburg liest aus ihnen eine deutliche Lücke zwischen interner Fachdiskussion und öffentlicher Regierungskommunikation. Das RKI selbst weist allerdings darauf hin, dass einzelne Wortmeldungen in den Protokollen nicht automatisch die abgestimmte Position des Instituts darstellen.

Auch die Fixierung auf PCR-Fallzahlen greift Homburg an. Seine These: Politisch verwertbare Inzidenzen verdrängten jene Daten, die tatsächliche Krankenhausbelastung und schwere Erkrankungen abbildeten. Ob jede seiner statistischen Schlussfolgerungen trägt, muss fachlich geprüft werden. Unbestreitbar bleibt jedoch der politische Widerspruch: Grenzwerte, die zunächst als Katastrophensignal galten, verloren später ohne ehrliche Erklärung ihre Bedeutung.

Beim Thema Impfschäden vermeidet Homburg selbst eine genaue Gesamtzahl, kritisiert aber fehlende Datentransparenz und eine aus seiner Sicht politisch gebremste Aufarbeitung. Das Paul-Ehrlich-Institut registrierte bis Ende 2024 insgesamt 350.868 Verdachtsfälle nach COVID-19-Impfungen, davon 63.909 als schwerwiegend eingestufte Meldungen. Verdachtsmeldungen beweisen keinen ursächlichen Zusammenhang. Sie sind aber auch kein Grund, Betroffene abzuwimmeln oder belastbare Forschung zu verweigern.

Homburg sitzt als Sachverständiger in der Corona-Enquete-Kommission des Bundestages. Seine Erwartungen an das Gremium sind gering. Er beklagt knappe Redezeiten, begrenzte Darstellungsmöglichkeiten und eine Mehrheit, die besonders beim Thema Impfung schnell dichtmache. Der Abschlussbericht ist erst für 2027 vorgesehen. Schon jetzt wird darum gerungen, welche Fragen darin überhaupt vorkommen.

Genau deshalb ist der Streit um die Schulbücher mehr als eine akademische Fußnote. Wer die Corona-Jahre als Erfolgsgeschichte staatlicher Krisenführung festschreibt, bevor Grundrechtseingriffe, Behördenkommunikation, Schäden bei Kindern und mögliche Impfkomplikationen lückenlos aufgearbeitet sind, betreibt keine Bildung. Er betoniert eine politische Version der Geschichte.

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