Hightech mit Mittelalter-Prinzip: Physiker rechnet mit Windkraft ab

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Symbolbild: Ein modernes Windrad überragt eine historische Windmühle
Symbolbild, KI-generierte redaktionelle Illustration

„Windräder – mit der Energieerzeugung zurück ins Mittelalter“: Unter diesem Titel rechnet der Physiker Horst-Joachim Lüdecke in einem aktuellen Videoausschnitt von der 17. Internationalen Klima- und Energiekonferenz mit der deutschen Windkraftpolitik ab. Seine These: Die Anlagen seien zwar technisch hochmodern, griffen aber auf eine dünne, unbeständige Energiequelle zurück und könnten eine Industrienation nicht zuverlässig versorgen.

Der 4:15 Minuten lange Ausschnitt konzentriert sich auf die energetische Effizienz. Lüdecke vergleicht die nutzbare Leistung verschiedener Energiequellen pro beanspruchter Bodenfläche. Für Windkraft an Land nennt er rund 3,6 Watt pro Quadratmeter. Kohle- und Kernkraftwerke erreichten nach seiner Rechnung mehrere Tausend Watt. Daraus leitet er einen enormen Flächenbedarf ab, sobald nicht nur Strom, sondern der gesamte Energieverbrauch Deutschlands durch Wind gedeckt werden soll.

In einer zweiteiligen Ausarbeitung bei EIKE führt Lüdecke das Argument ausführlicher aus. Bei einer vollständigen Versorgung aller Sektoren aus Windenergie müsse rechnerisch eine Fläche von mehr als der Größe Bayerns lückenlos mit Anlagen belegt werden. Entscheidend sei nicht allein die Nennleistung einer Turbine, sondern der im Jahresmittel tatsächlich erzeugte Strom sowie die Infrastruktur für Zeiten mit wenig Wind.

Der Vortrag richtet sich auch gegen die politische Darstellung, Wind stelle keine Rechnung. Lüdecke verweist auf Subventionen, Netzausbau, Reservekraftwerke und den Materialbedarf der Anlagen. Die schwankende Einspeisung zwinge dazu, jederzeit andere Leistung bereitzuhalten. Ohne Speicher oder regelbare Kraftwerke könne hohe installierte Windleistung deshalb keine sichere Stromversorgung garantieren.

Die amtlichen Zahlen zeigen allerdings auch, dass Windenergie längst keine unbedeutende Randtechnik mehr ist. Nach Angaben der Bundesnetzagentur speisten Windanlagen 2025 rund 132,6 Terawattstunden in das Netz der allgemeinen Versorgung ein und waren damit der stärkste einzelne Energieträger. Das Umweltbundesamt beziffert ihren Anteil an der gesamten deutschen Stromerzeugung auf etwa 26 Prozent.

Diese Werte widerlegen nicht das zentrale Problem des Vortrags. Ein hoher Jahresanteil sagt noch nichts darüber aus, ob die Leistung genau dann verfügbar ist, wenn Haushalte und Industrie sie benötigen. Windstrom kann konventionelle Brennstoffe einsparen, ersetzt aber ohne ausreichende Speicher, Netze und steuerbare Reserve nicht automatisch gesicherte Kraftwerksleistung.

Die Energiewende wird deshalb zu oft anhand installierter Gigawatt gefeiert, während Systemkosten und Versorgungssicherheit in den Hintergrund treten. Lüdeckes Mittelalter-Vergleich ist bewusst provokant. Er trifft dennoch einen wunden Punkt: Hightech im Maschinenhaus hebt die physikalische Abhängigkeit vom Wetter nicht auf. Wer immer mehr Windräder baut, muss beantworten, wer bei Flaute zuverlässig liefert und wer die doppelte Infrastruktur bezahlt.

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